22.02.2017

„Politik von Vorvorgestern!“

Schutzstation Wattenmeer kritisiert Forderung nach Probebohrungen im Nationalpark aufs Schärfste

Ölinsel Mittelpate - Reine Glückssache, dass hier 30 Jahre nichts passiert ist

Im Dezember 2016 kam ein Gutachten im Auftrag des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums zu dem Ergebnis, dass neue Erkundungsbohrungen nach Erdöl im Nationalpark Wattenmeer nicht genehmigungsfähig seien. Das ficht Wirtschaftsminister Meyer nicht an. Gemeinsam mit der IG-Bergbau und Energie wünscht er in einer Pressemitteilung vom 21.2.17, Explorationsbohrungen in der Nordsee dennoch „möglich zu machen“.
 
„Neue Probebohrungen haben weder aus juristischen noch aus ökologischen Gründen im Wattenmeer etwas zu suchen“, sagt Katharina Weinberg, Naturschutzreferentin der Schutzstation Wattenmeer. „Das ist Politik von Vorvorgestern“, sagt sie und fordert Minister Meyer auf, sich an die Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung zu erinnern, der er angehöre. Das vermutete Vorkommen an den geplanten Bohrstellen reiche nur für wenige Monate aus, um den deutschen Bedarf zu decken.


Auch aus anderen Gründen weist Weinberg die Forderung von Meyer entschieden zurück. „Zum Verantwortungsbereich des Wirtschaftsministers gehört gleichrangig der Tourismus in Schleswig-Holstein“, sagt sie. Er kenne sich offenbar in seinem eigenen Ressort nicht aus. Das Wattenmeer ist als Weltnaturerbe Anziehungspunkt für 19 Millionen Übernachtungsgäste im Jahr. 42 000 Menschen leben hier direkt oder indirekt von diesen Besuchern. „Zahlen, die einem Tourismusminister eigentlich bekannt sein sollten“, so Weinberg und stellt die Frage: „Wo bleiben diese Arbeitsplätze, wenn bei der Ölförderung tatsächlich etwas passiert?“ Auch vor diesem Hintergrund sei seine Aussage zu den Arbeitsplätzen in der Ölförderung lächerlich und an den Haaren herbeigezogen.


„Die Ölbohrungen im Nationalpark waren schon vor 30 Jahren ein Anachronismus“, sagt die Naturschützerin. Jede Ölsuche bedeute ein zusätzliches Risiko für das einmalige Ökosystem. „Neue Ölbohrungen und Weltnaturerbe vertragen sich nun mal nicht. Das bisher keine Unfälle aufgetreten sind, ist ausschließlich Zufall und Glück.“ Vielleicht müsse das Ministerpräsident Albig seinem Minister Meyer aber erst erklären, damit er es verstehe.