Artenvielfalt, Voluntourismus und Bürgerwissenschaft

Vereinstreffen der Schutzstation Wattenmeer in der Jugendherberge Husum

17.11.2014

Ein neues marines Citizen Science-Projekt, mehr Unterwasser-Artenvielfalt im Weltnaturerbe, neue Angebote für Freiwillige sowie die richtige Notausrüstung im Watt. Groß war die Themenpalette, mit der sich 80 Aktive der Schutzstation Wattenmeer bei ihrem zweitägigen Vereinstreffen in der Jugendherberge Husum beschäftigten.

Freiwillig im Urlaub arbeiten und dabei Gutes tun: „Voluntourismus“ heißt dieser neue Trend, über den der Biologe Rainer Borcherding berichtete. „Wir erhalten oft Anfragen von Schulklassen und Einzelreisenden, die gern im Naturschutz helfen möchten“, sagte der Biologe. Arbeitseinsätze zum Entfernen eingeschleppter Pflanzenarten aus den Dünen wie Cranberries oder Kaktusmoos sind mögliche Angebote, die sich die Aktiven überlegten. Auch die Mithilfe bei der Erfassung von Tieren des Wattbodens oder von Spülsaumfunden seien gute Gelegenheiten, Nordseegäste in die Naturschutzarbeit einzubinden.

Vom Mitmachen lebt auch der in der Erprobung befindliche BeachExplorer, das größte marine bürgerwissenschaftliche Projekt Deutschlands, das Borcherding auf dem Treffen vorstellte. “Viele spannende Dinge werden an die Strände des Wattenmeeres gespült, doch niemand schreibt auf, was gefunden wird“, sagte der Biologe. Mit dem BeachExplorer könne jeder Interessierte per Smartphone Funde bestimmen, Beobachtungen melden und zugleich mit Fotos dokumentieren. „Citizen Science“, Bürger-Wissenschaft, heißen solche Programme, die im englischen Sprachraum weit verbreitet sind.

Für die Unterwasserwelt des Wattenmeeres hat sich nach Ansicht des Biologen Rainer Schulz trotz Weltnaturerbe und 30 Jahren Nationalpark bisher nicht viel getan. „Stör, Sandkoralle oder Seepferdchen brauchen endlich wieder bessere Lebensbedingungen“, forderte Schulz. Zurzeit seien viele Arten insbesondere noch durch eine intensive Fischerei beeinträchtigt. Das neue langfristige Projekt „Artenreiches Wattenmeer“ soll ein neues Bewusstsein für eine intakte und vielfältige Unterwasserwelt schaffen.

Ein Höhepunkt des Vereinstreffens war der Vortrag des Biologen Abbo van Neer, der über die aktuelle Meeressäugerforschung in Büsum berichtete und spektakuläre Aufnahmen einer Seehunde jagenden Kegelrobbe auf Helgoland zeigte.

Nach den zwei themenreichen und spannenden Tagen war sich Vereinsgründer und Ehrenvorsitzer Gert Oetken mit den anderen Teilnehmern einig: „Der Einsatz von Nichtregierungsorganisationen wie der Schutzstation Wattenmeer bleibt für das Weltnaturerbe auch künftig unverzichtbar“.

Biologe Rainer Schulz stellt die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe vor