Dänische Ölsuche in der Nordsee bedroht Meeressäuger

Schutzstation Wattenmeer fordert grenzüberschreitendes Meeresschutzgebiet

15.08.2012

„Wir sind entsetzt über die Pläne Dänemarks, die Nordsee noch weiter zu industrialisieren“, sagt Biologin Silvia Gaus von der Umweltschutzorganisation Schutzstation Wattenmeer. Die Kopenhagener Energiebehörde Energistyrelsen plant, neue Claims für die Öl- und Erdgassuche in der Nordsee (östlich 6°15’Ost) zu vergeben. Diese Rohstoffsuche bedroht nach Ansicht der Umweltschützer vor allem Zwergwale, Weißschnauzendelphine und Schweinswale, die sich in dem Gebiet aufhalten.
Außerdem will die dänische Behörde eine Speicherung von Kohlendioxid zulassen. Im Rahmen einer „strategischen Umweltprüfung“ wurden deutsche Behörden über die Maßnahmen informiert.

„Alle Walarten der Nordsee stehen in der EU unter besonderem Artenschutz“, sagt Gaus. Diese Meeressäuger nutzen Schall zur Orientierung und Kommunikation. Sie reagieren besonders sensibel auf Unterwasserlärm, wie er sowohl bei seismischen Untersuchungen als auch bei Rammarbeiten für Plattformen entsteht. Noch nicht abzuschätzen seien daher die Folgen, die sich aus einem Zusammenwirken mit den geplanten Offshorewindparks im angrenzenden deutschen Teil der Doggerbank ergeben.

Besonders kritisch sieht Gaus auch die dänischen Pläne zur Speicherung von Kohlendioxid. Das Gas soll in Erdöl- und Erdgasfelder zur Verbesserung der Ausbeute gepumpt werden. „Durch die Hintertür könnte so die CCS-Technologie in der Nordsee hoffähig werden,“ sagt Gaus. Kohlendioxid würde an der Grenze nicht haltmachen. Austretendes Gas könnte die Meeresumwelt massiv schädigen und  auch die Schutzgebiete der Nachbarländer gefährden. Die westlich angrenzende Doggerbank gehört zu den fischreichsten Regionen in der ganzen Nordsee und wird bevorzugt von Meeressäugern aufgesucht.

„Wir fordern ein grenzübergreifendes Natura-2000 Gebiet, bei dem auch unsere dänischen Nachbarn mitmachen“, sagt Biologin Gaus. Nur so kann dieses wichtige Nordseegebiet mit seiner einzigartigen Lebensgemeinschaft wirksam erhalten werden, statt es durch eine weitere Industrialisierung zu gefährden.