Heringsmöwen an der Nordseeküste

Starke Bestandszunahme durch Fischfang und Klimawandel

02.08.2012

Auf der Insel Amrum, wo sich ihre größten deutschen Kolonien befinden, ziehen derzeit über 20.000 Heringsmöwen ihre Jungen groß. Sie gehören zu den Brutvögeln, die sich in den letzten Jahren an der Nordseeküste am stärksten ausgebreitet haben. Experten vermuten, dass Klimawandel und Fischerei mit dafür verantwortlich sind.

"Heringsmöwen ernähren sich vor allem von Krebsen und Fischen aus der Nordsee. Bis zu 120 Kilometer weit fliegen die Möwen dazu auf das offene Meer hinaus", berichtet Klaus Günther, Biologe bei der Schutzstation Wattenmeer. Die Möwen folgen oft den Fischtrawlern und können so leicht an große Mengen des über Bord geworfenen Beifangs gelangen. "Heringsmöwen erschließen sich damit Nahrungsquellen, die eher küstennahe Arten wie die Silbermöwen nicht in gleichem Maße nutzen", so Günther weiter.

"Während der Brutzeit fressen Heringsmöwen überdies gern die vor Amrum besonders häufigen Schwimmkrabben", sagt Dr. Philipp Schwemmer, Biologe beim Forschungs- und Technologiezentrum Büsum. "Schwimmkrabben haben sich auch dank Klimaerwärmung und Fischerei vermehrt, weil sie als Aasfresser mehr Nahrung durch die von den Schleppnetzen getöteten Bodentiere finden", so Schwemmer weiter.

Die Amrumer Heringsmöwenkolonie scheint ihre maximale Größe dennoch erreicht zu haben. Ein Anzeichen dafür sieht Schwemmer im geringeren Bruterfolg der Tiere. "Möglicherweise reicht die Nahrungsmenge nicht mehr aus. Wir haben sogar Heringsmöwen gesehen, wie sie bei benachbarten Nestern auf Beutezug gehen, um ihre Küken zu ernähren“, sagt der Büsumer Biologe. Genauere Beobachtungsdaten befänden sich derzeit in der Auswertung.

So bleibt es also spannend, wie es bei den Möwen mit dem schwarzen Rücken und den gelben Beinen auf den Nordseeinseln in den nächsten Jahren weitergehen wird.