Küsten-Zivis wollen länger dienen

Zivildienstleistende an der Nordsee wenden sich gegen Dienstzeitverkürzung

04.11.2009

Die von der Bundesregierung geplante Verkürzung des Zivildienstes auf sechs Monate wird von zahlreichen Zivildienstleistenden an der Nordseeküste vehement abgelehnt. Schon ihre derzeitige Dienstzeit von neun Monaten verlängern viele Zivis im Umweltschutz freiwillig durch Praktika auf 13 Monate.

„Ein Dienst von weniger als einem Jahr lohnt sich doch gar nicht“, findet der Zivildienstleistende Jonas Hagge vom NABU im Katinger Watt. „Unser Dienst ist so vielfältig und anspruchsvoll, dass in ein paar Monate die Einarbeitung gar nicht zu schaffen ist“, betont Zivi David Pyka von der Schutzstation Wattenmeer in Husum. „Außerdem erfüllen wir im Zivildienst wichtige Naturschutzaufgaben, die sonst niemand übernehmen würde“, unterstützt sein Kollege Lukas Mühle aus Friedrichskoog.

Gerade im Umweltbereich, wo die Zivis oft in kleinen Dienststellen arbeiten und sehr eigenverantwortlich tätig sind, wäre eine weitere Dienstzeitverkürzung sehr schädlich. Hierzu der Biologe Rainer Borcherding, der die Umweltverbände im Zivildienstbeirat des Bundesfamilienministeriums vertritt: „Der Umweltbereich ist nur ein kleiner Teil des Zivildienstes, aber hier finden sich besonders viele interessante und anspruchsvolle Stellen. Andererseits stehen diese Stellen finanziell oft auf recht wackeligen Beinen, und jede Dienstverkürzung oder Kostenerhöhung ist besonders schädlich.“

Der Zivildienst ist in den letzten Jahren vom Familienministerium gezielt als Lerndienst ausgebaut worden, der den jungen Männern fachliche und soziale Kompetenzen vermitteln soll. Dieser Aspekt wird auch von Küstenzivis so gesehen: „Es ist gut für die Persönlichkeitsentwicklung, einen Pflichtdienst zu leisten und sich dabei neuen Herausforderungen stellen zu müssen“, findet Kai Bosch vom Umweltzentrum Spiekeroog. „Ohne die Dienstpflicht wäre ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen, irgendwo einen Dienst zu leisten. Nun aber bin ich sehr froh, dass ich hier bin“, ergänzt Johannes Dickemann vom Amrumer Naturschutzverein Öömrang Ferian.

Die Schutzstation Wattenmeer als bundesweit älteste Zivildienststelle im Umweltbereich schließt sich den Forderungen der Dienstleistenden an: „Der Zivildienst ist seit fast 40 Jahren eine wesentliche Stütze der Naturschutzarbeit hier im Wattenmeer. Nur dank des großen Engagements der jungen Männer funktionieren Umweltbildung und Gebietsbetreuung im Nationalpark. Eine Dienstzeitverkürzung auf sechs Monate würde all das zunichte machen! Und das ausgerechnet jetzt, wo das Wattenmeer nach vielen Mühen als Weltnaturerbe ausgezeichnet wurde“, sagt Harald Förster, Geschäftsführer der Schutzstation Wattenmeer.