Löffler im Nationalpark SH Wattenmeer: Brutbestand nimmt weiter zu

Höchstbestand mit 227 Brutpaaren, auf Hallig Oland Verluste durch Fuchsfraß

05.10.2015

2015 war wieder ein gutes Jahr für die weißen Ibisvögel mit dem langen löffelförmigen Schnabel, die in vier Kolonien im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer brüteten.

„Mit 227 Brutpaaren wurde in diesem Jahr ein neuer Höchstbestand erreicht. Im Vorjahr waren es 205 Paare. Damit setzen die Löffler ihre sehr erfolgreiche Ansiedlung seit dem Jahr 2000 bei uns im Wattenmeer fort“, berichtet Diplom-Biologe Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer in Husum, der das Löffler-Bruterfolgsmonitoring im Auftrag der Nationalparkverwaltung durchführt.

Der Bruterfolg war in diesem Jahr nach Einschätzung des Vogelkundlers relativ gut: Ein bis zwei Jungvögel seien pro Brutpaar flügge geworden. Insgesamt konnten die Löffler 300 bis 350 Küken, die sie vor allem mit Garnelen füttern, erfolgreich großziehen.

Getrübt wurde das Bild durch die Kolonie auf Hallig Oland: Die 33 Brutpaare auf der Hallig hatten mit neun Jungvögeln nur sehr wenig Nachwuchs. Prädatoren, vermutlich Füchse, fraßen wie bereits im Jahr 2013, als noch 60 Paare auf der Hallig brüteten, die meisten Eier und Jungvögel auf.

Die größte Kolonie befand sich diesen Sommer mit 116 Brutpaaren auf der Insel Trischen im Dithmarscher Wattenmeer, gefolgt von Föhr mit 41 Brutpaaren und der Hallig Südfall mit 37 Brutpaaren.

„Etwas überrascht waren wir von dem frühen Brutbeginn auf Föhr. Am 21.5.2015 waren bereits zehn Jungvögel flügge, fast zwei Wochen früher als in den Vorjahren und den anderen Kolonien“, sagt Vogelexperte Günther. Bereits Mitte März müssen die Vögel von ihren Winterrastgebieten in Westafrika oder Westeuropa auf Föhr angekommen sein und rasch mit dem Brutgeschäft begonnen haben. „Vielleicht ist das eine Folge milderer Winter und des Klimawandels oder die Vögel fühlen sich auf Föhr besonders wohl“, spekuliert Günther.

Nach der Brutzeit halten sich die meisten Löffler im Wattenmeer entlang der Festlandsküste auf, wo sie bei Hochwasser vor allem in den Salzwiesen-Vorländern vor den Deichen oder auch binnendeichs in den Kögen rasten und bei Niedrigwasser im nahen Watt nach Nahrung suchen.

Der größte Teil der Löffler hat sich Ende September auf den Flug in die Überwinterungsgebiete gemacht. „Im Beltringharder Koog und anderen Feuchtgebieten an der Küste haben Vogelfreunde aber jetzt noch gute Chancen, Löffler-Trupps zu entdecken“, sagt Günther.

Mit etwas Glück gibt es auch danach Beobachtungsmöglichkeiten der weißen Vögel: Im letzten Winter versuchten erstmals mehrere Löffler im Wattenmeer zu überwintern.