Nonnengänse überwintern am Wattenmeer

"Eiderstedt mit seinen Grünlandflächen ist weiterhin das wichtigste Winterrastgebiet der Nonnengänse an der Schleswig-Holsteinischen Wattenmeerküste. Dies belegt die aktuelle Zählung von 31.000 Nonnengänsen im Januar auf Eiderstedt. Der Großteil des Gesamtbestandes von etwa 400.000 Nonnengänsen überwintert in den Niederlanden", berichtet der Diplom-Biologe Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer.

05.02.2008

Im Rahmen der internationalen Mittwinter-Synchronzählung von Wasservögeln wurden am 21. Januar die Vogelbestände an der Wattenmeerküste und im angrenzenden Binnenland erfasst. Ein besonderes Augenmerk galt den Nonnengänsen auf Eiderstedt, da sie wegen der milden Witterung besonders hier in diesem Jahr wieder in großer Zahl überwintern. "Gut 31.000 Nonnengänse wurden auf der Halbinsel gezählt, etwa so viele wie im Vorjahr, als im ebenfalls sehr milden Januar etwa 27.000 Nonnengänse erfasst wurden", erläutert Klaus Günther, der das Rastvogelmonitoring an der Wattenmeerküste im Auftrag des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) und im angrenzenden Binnenland für die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft (OAG) koordiniert.

 

Neben den Vögeln auf Eiderstedt halten sich auch noch ein paar tausend Nonnengänse an der Küste im nördlichen Nordfriesland (Beltringharder Koog, Hattstedter Marsch und Rickelsbüller Koog) sowie im südlichen Dithmarschen (Friedrichskoog-Halbinsel) auf. Insgesamt sind es in diesem Winter etwa 40.000 Nonnengänse an der schleswig-holsteinischen Wattenmeerküste. Im Vergleich zur gesamten Population von über 400.000 Nonnengänsen auf ihrem Zugweg (Nordrussland bis Niederlande) ist dies ein Anteil von 10%. In kalten Wintern mit Frost ziehen fast alle Vögel, die zunächst versucht haben hier zu bleiben, weiter in die Niederlande, die das Hauptüberwinterungsgebiet für den Großteil der Population ist.

 

Für die küstenweite Zählung der Wasservögel waren allein auf Eiderstedt 15 versierte Ornithologen und Mitarbeiter der Naturschutzverbände im Einsatz, die gut ausgerüstet mit Fernrohr, Stativ, Fernglas und Zähluhren an allen Küstenabschnitten und im gesamten Binnenland systematisch und nahezu gleichzeitig die Vogelbestände erfasst haben. Demnach rasten die Gänse zurzeit vor allem im Bereich der Tümlauer Bucht, bei Westerhever und St. Peter, an der Eidermündung in den Naturschutzgebieten Katinger Watt und Oldensworter Vorland sowie in einigen zentralen Bereichen von Eiderstedt. Sie bevorzugen auf Eiderstedt im Winter die feuchten Grünlandgebiete binnendeichs. An der Küste der Friedrichskooger Halbinsel dagegen fressen die Nonnengänse ganz überwiegend auf den Salzwiesen im Vorland.

 

Im Frühjahr steigt die Zahl der Nonnengänse an der gesamten schleswig-holsteinischen Wattenmeerküste auf bis zu 100.000 Vögel im April und Anfang Mai an. Dann fressen die meisten von ihnen im Salzwiesenvorland. Sie legen sich Fettreserven an, um die etwa 3.000 km lange Strecke bis zu ihren arktischen Brutgebieten an der Eismeerküste im Norden Russlands bewältigen zu können.

 

Aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen und des erhöhten Nahrungsbedarfes der Tiere im Frühjahr kann der Gänsefraß auf einigen Grünlandflächen binnendeichs auf Eiderstedt zu erheblichen Ertragseinbußen für die Landwirte führen. Der Umbruch von immer mehr Grünland und der Anbau von Mais verschärfen den Nutzungsdruck der Gänse auf den verbleibenden Grünlandflächen. Jagd und Vergrämung lösen die Probleme nicht, sondern verlagern sie nur und steigern auch noch den Energiebedarf der Gänse. "Die Gänse sind eine Attraktion der Region und sie ziehen Natur begeisterte Menschen an. Zudem haben wir eine große Verantwortung für unsere Zugvögel. Daher müssen attraktive Vertragsnaturschutzprogramme angeboten und zudem übermäßige Ertragseinbußen der Landwirte ausreichend entschädigt werden, um ein harmonisches Zusammenleben mit den Gänsen zu ermöglich und die in vieler Hinsicht wertvollen Grünlandflächen zu erhalten", so Klaus Günther.