Trilateraler Wattenmeerschutz macht Schule

09.10.2003

Eines darf auf einer Klassenfahrt an die Nordseeküste auf keinen Fall fehlen: die Wattwanderung.

Beinahe jeder Jugendliche aus den Wattregionen Schleswig-Holsteins, Niedersachsens, Dänemarks und der Niederlande hat wohl schon einmal mit den Füßen im Schlick gestanden, eine Strandkrabbe gefangen und das Wattenmeer als einen besonderen und schützenswerten Lebensraum erfahren. Weitaus weniger bekannt dagegen ist, daß sich dieses einzigartige Naturgebiet über zwei internationale Grenzen erstreckt und die Anrainerstaaten zum Schutz des Wattenmeeres seit Jahren eng zusammenarbeiten.

Pünktlich zum 25-jährigen Bestehen dieser trilateralen, aus den 3 Wattanrainerstaaten bestehenden Kooperation startet nun ein gemeinsames Umweltbildungsprojekt, das die Idee des grenzüberschreitenden Wattenmeerschutzes in die junge Generation tragen soll: die "International Wadden Sea School". Konzipiert als ein Netzwerk von bereits bestehenden Umweltbildungseinrichtungen in den Wattgebieten Dänemarks, Schleswig-Holsteins, Niedersachsens und der Niederlande bietet die Internationale Wattenmeerschule für Schulklassen aus diesen Regionen die Möglichkeit, auf Klassenfahrten eine jeweils andere Wattenmeer-Region kennenzulernen. Ziel dieser Fahrten ist, die Wahrnehmung des Wattenmeerraumes als ein gemeinsames Naturerbe zu fördern und bei den Entscheidungsträgern von morgen ein Verantwortungsgefühl zu entwickeln, das an nationalen Grenzen nicht Halt macht.

Die einzelnen Einrichtungen, darunter auch das Wattenmeerhaus Hooge der Schutzstation Wattenmeer, werden ein gemeinsames Curriculum für die Betreuung internationaler Schulklassen entwickeln und Programmpakete konzipieren, die ab 2004 als "Pauschalangebote" gebucht werden können. Im Vordergrund der Veranstaltungen, die sich an Schulklassen der Mittelstufe aller Schulformen richten, soll das intensive Naturerlebnis stehen. Neben Aspekten der Biologie und Ökologie werden aber auch kulturelle und sozio-ökonomische Gesichtspunkte berücksichtigt, um einen umfassenden Eindruck der jeweiligen Wattenmeer-Region zu vermitteln. Auf diese Weise fördert die Internationale Wattenmeerschule nicht nur den Bekanntheitsgrad der grenzübergreifend zusammenarbeitenden Regionen, sondern bereichert auch die außerschulische Umweltbildung vor Ort.

Nach dem offiziellen Startschuss, der am 22. Oktober auf dem anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der trilateralen Kooperation stattfindenden Ministertreffen fällt, wird die Internationale Wattenmeerschule zunächst als zweijähriges Pilotprojekt laufen. Im Erfolgsfall kann dieses die Grundlage für eine spätere Verankerung in der trilateralen Zusammenarbeit bilden. Den Aufbau und die Koordination der Internationalen Wattenmeerschule während der Pilotphase übernimmt die Schutzstation Wattenmeer in Zusammenarbeit mit einem Netzwerk von Partnern in der gesamten Wattenmeerregion. Seit dem 1. September ist dafür die hauptamtliche Koordinatorin Anja Szczesinski beim Verein tätig. Sie hat nach ihrer Biologie-Diplomarbeit an der Göttinger Uni über die Sandlückenfauna in schleswig-holsteinischen Salzwiesen bereits mehrere internationale Jugendbegegnungen im Natur- und Wattenmeerschutz organisiert und geleitet.

Gefördert wird das Pilotprojekt von der Umweltlotterie Bingo in Schleswig-Holstein sowie von Dänemark (gemeinsam vom Umweltministerium sowi= e den Ämtern Ribe und Sonderjylland), Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden. Einer Steuergruppe aus den 4 Regionen unterstützt die Projektabwicklung.

Link: www.iwss.org