VikingCable: Trasse durch den Nationalpark soll vor Vertragsstrafe schützen

Kabelsalat im Nationalpark? Nein Danke!

29.05.2000

Die Schutzstation Wattenmeer protestiert scharf gegen die Pläne des Stromerzeugers Preussen Elektra AG. Unter großem Zeitdruck betreibt die Firma Vorarbeiten für ein Starkstromkabel von Brunsbüttel nach Norwegen. Spätestens 2004 soll das sogenannte VikingCable betriebsbereit sein, da sonst Vertragsstrafen in Millionenhöhe drohen. Um zeitaufwendige Verlegearbeiten im verkehrsreichen Elbfahrwasser zu umgehen, wurde jetzt bei den Landesbehörden in Kiel eine Kabeltrasse durch die südlichste Kernzone des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer beantragt. Rainer Schulz, Biologe bei der Schutzstation Wattenmeer: "Das Land darf nicht die Ruhezone 1 des Nationalparks öffnen, nur damit ein Privatunternehmen einen voreilig geschlossenen Liefervertrag einhalten kann. Die Kernzone des Nationalparks mit dem einzigartigen Mausergebiet von rund 200 000 Brandgänsen muß für großtechnische Vorhaben tabu bleiben."

Aus Sicht der Schutzstation Wattenmeer müssen die Landesbehörden dem VikingCable die Genehmigung verweigern. Die geplanten Eingriffe in den Nationalpark wären laut gesetz nur zulässig, wenn es keine Alternative gäbe und zwingende Gründe des öffentlichen Interesses für das Projekt sprächen.

Der mögliche volkswirtschaftlichen Nutzen hat sich jedoch, im Verhältnis zu den Eingriffen in die Natur, unlängst noch stark verringert. Nach dem Ausstieg der Hamburgischen Elektrizitätwerke (HEW) aus dem Projekt beträgt die geplante Übertragungsleistung jetzt nur noch 600 MW (vorher 1200 MW). Da jedoch weiterhin zwei etwa 15 cm dicke Kabel benötigt werden, bliebe der Arbeitsaufwand im Nationalpark und damit der Eingriff in die Natur der gleiche.

Auch Alternativen zum VikingCable-Projekt wurden nicht ausreichend berücksichtigt. Angesichts der konkreten Pläne für große Off-Shore- Windparks läge eine direkte Kopplung der Projekte nahe, sofern die Windkraftanlagen auf Hoher See durch Umweltverträglichkeitsprüfungen für unbedenklich erklärt würden. Bei Flauten könnte so norwegischer Wasserkraftstrom über das selbe Kabel den fehlenden Windstrom ersetzen. Überschüssiger Windstrom könnte nachts direkt nach Norwegen fließen. Die insgesamt benötigte Anzahl von Kabeln von der offenen See zum Festland könnte so deutlich reduziert werden. Dort eingesparte Mittel wären zu nutzen, um die Nationalparks weiträumig zu umgehen. Die Preussen Elektra lehnt dies jedoch ab, da dann ihr Zeitplan nicht mehr einzuhalten wäre.

Hierzu Rainer Schulz: "Ohne Kopplung der Projekte würde in Zukunft überschüssiger 0ff-shoreWindstrom durch den Nationalpark an das Festland fließen und gleich darauf durch das parallel liegende VikingCable wieder zurück durch den Nationalpark in Richtung Norwegen. Ein Unding." Die Schutzstation Wattenmeer appelliert daher an die Landesbehörden, den nicht ausgereiften Plänen zum VikingCable die Genehmigung zu verweigern. Dringend notwendig ist statt dessen ein gemeinsames, ökologisch verträgliches Konzept der Wattenmeer- Anrainerländer- und staaten, um den Strom aus Skandinavien und von zahlreichen geplanten Off-Shore-Windparks ohne Beeinträchtigung der Nordseenatur und der Nationalparke an Land zu bringen.

Rückfragen bitte an Rainer Schulz: 0431/788035 o.0173/2420109