Meeresmüll - Plastik ist überall

Die Verschmutzung der Meere und Strände mit Plastikmüll ist ein aktuell intensiv diskutiertes und in den Medien sehr präsentes Umweltthema. Dabei ist der Müll, der sich weltweit an den Stränden sammelt nur der kleine, für uns sichtbare Teil des im Meer treibenden und auf den Meeresgrund gesunkenen Mülls. Plastikteile jeglicher Art und Größe spielen hierbei die Hauptrolle. Sie haben aufgrund ihrer giftigen Inhaltstoffe und ihrer extremen Langlebigkeit vielfältige schädigende Wirkungen auf Meerestiere und die gesamten marinen Ökosysteme.

Wo kommt der Müll her?

Man unterscheidet zwischen seeseitigen und landseitigen Einträgen von Müll ins Meer. Zu den seeseitigen Quellen gehören die gewerbliche Schifffahrt, Offshore-Anlagen, Fischerei und Muschelkulturen sowie illegale Verklappungen. Müll vom Land wird durch die Freizeit- und Tourismusaktivitäten an den Küsten und aus dem Binnenland über die Flüsse eingetragen.

Der größte Teil des Mülls in der Nordsee stammt wahrscheinlich aus der Schifffahrt, wobei die Fischerei einen erheblichen Anteil verursacht. Aber auch die landseitigen Freizeit- und Tourismusaktivitäten verursachen viel Müll, der in der Nordsee landet.

Welche Probleme macht der Müll?

Treibende Netze, ghostnets, führen zum Verfangen und Ertrinken von Seevögeln und Meeressäugern. In Schnüren, Tauen und Seilen können Tiere sich verheddern, strangulieren oder verletzen. Viele Meerestiere verwechseln Plastikteile mit Essbarem und verhungern dann bei verstopftem Magen.

Treibende Müllteile dienen als Transportmittel für fremde Arten, die sich dann fern ihrer Heimat ansiedeln und im neuen Ökosystem heimische Arten verdrängen können.

Plastik verrottet nicht, sondern zerfällt in immer kleinere Teile, bis es als Mikroplastik (Plastikteile kleiner als 5mm) für uns nicht mehr sichtbar ist. Dabei werden giftige Weichmacher und Flammschutzmittel freigesetzt. Gleichzeitig wirken kleine Plastikteile wie Magnete für verschiedene Umweltgifte. Das Mikroplastik vermischt sich mit Sedimenten und den Sandkörnern am Strand oder driftet frei im Wasser, wo es von Planktonfressern verspeist werden kann.

Traurige Tatsachen

Plankton ist die Nahrungsgrundlage für viele Tierarten. Das Mikroplastik wird auch von Muscheln, Wattwürmern und anderen Tieren aufgenommen und in deren Körper eingelagert. Über die Nahrungskette landet es in Fischen und Meeressäugern - und letztlich auch bei uns auf dem Teller.

An der Nordseeküste wird insbesondere der Basstölpel häufig ein Opfer der Vermüllung. Beim Stoßtauchen getroffenes Plastik umwickelt den Schnabel und verhindert das Fressen: Die Vögel verhungern. Fast jedes Baßtölpelnest wurde mit Fishernetzresten gebaut, doch verheddern sich die Hochseevögel oft im Gewirr. Etwa 20% der tot gefundenen Exemplare sind an Müll gestorben. Ein Opfer des Plastikgranulats ist oft der Eissturmvogel. Bei 90% der tot aufgefundenen Exemplare wurde Plastik im Magen gefunden. 

Was kann man tun?

Mit Müllsammlungen am Strand kann jeder einen eigenen kleinen Beitrag zur Beseitigung des Mülls im Meer leisten, an jedem Tag. Organisierte BeachCleanUps bringen weiterhin Helfer und Wissenschaftler zusammen und schaffen ein weltweites Bewußtsein für die Situation der Meeren, besonders über die Sozialen Netzwerke. 

Der größte Müllanteil (>70%) befindet sich jedoch leider kaum erreichbar am Meeresboden. Viel wichtiger als das nachträgliche Entfernen des Mülls ist daher das Verhindern des Mülleintrags. Eine mögliche Strategie sind die 5 Rs -

Refuse, Reduce, Reuse, Recycle & Rethink:

Wissenschaftler fordern, bestimmte besonders kritische Plastikprodukte als gefährlich einzustufen und zu verbieten (Refuse), um direkt bei den Produzenten und somit Primärquellen anzusetzen. An uns allen liegt es, die Zahl der gekauften Plastikprodukte, vor allem Einwegartikel, Verpackungsmaterial und Wegwerfprodukte zu verringern (Reduce) und bereits gekaufte Produkte möglichst wiederzuverwenden (Reuse). Ist das nicht mehr möglich, sollen sie wiederverwertet werden (Recycle). Und am besten macht man sich gleich grundsätzliche Gedanken über bessere Alternativen (Rethink). 

 

 

Mit der Klasse im Einsatz gegen den Meeresmüll

 Für interessierte Klassen aller Altersstufen bieten wir die Möglichkeit, während einer Klassenfahrt auf Amrum aktiv gegen den Müll im Meer zu werden. Hier mehr.

 

 

 

Artikel aus "wattenmeer" 2016-3: Meere der Zukunft - ohne Müll

Hintergrundinformationen über Plastikmüll im Meer und über das aktuelle Projekt der Schutzstation Wattenmeer mit neuen Angeboten für Klassenfahrten.

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Artikel aus "wattenmeer" 2014-3: Plastikmüll im Meer - Eissturmvögel als Bioindikator (von N. Guse)

Eissturmvögel, die wir bei Spülsaumkontrollen finden, werden von Wissenschaftlern untersucht. Dieser Auszug aus unserer Zeitschrift "wattenmeer" fasst die Ergebnisse zusammen.

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Poster: Müll in der Nordsee

Fast drei Viertel des Strandguts an unserer Küste besteht aus Kunststoff. Dieses Poster zeigt die Ergebnisse einer Auswertung langjähriger Müll-Zählungen.

Es ist in den Größen DIN A1 und A2 bei unserer Geschäftsstelle erhältlich.

Hätten Sie gedacht, dass...

 

… es weltweit keinen Strand mehr ohne Mikroplastik mehr gibt?

 

… die größte Quelle für Mikroplastik in die Ostsee der Abrieb von Autoreifen auf den Straßen ist?

 

… die Kosmetikindustrie auf Druck der Verbraucher Mikroplastik aus einigen Duschgels entfernt hat?