Meeresmüll - Plastik ist überall

Die Verschmutzung der Meere und Strände mit Plastikmüll ist ein lange Zeit übersehenes, aber mittlerweile viel beachtetes Umweltthema. Leider ist der Müll, der sich weltweit an den Stränden sammelt, nur ein kleiner Teil des im Meer treibenden oder schon auf den Meeresgrund gesunkenen Mülls. Plastikteile jeglicher Art und Größe verteilen sich immer weiter in den Weltmeeren – auch bis in die Polarregionen und in die Tiefsee. Sie haben aufgrund ihrer teils giftigen Inhaltstoffe und ihrer extremen Langlebigkeit vielfältige schädigende Wirkungen auf die gesamten marinen Ökosysteme.

Hätten Sie’s gewusst?

  • dass sechsmal mehr Plastikmüll als Plankton im Meer schwimmt?
  • dass jede Minute eine LKW-Ladung Plastikmüll ins Meer gekippt wird?
  • dass sich in kosmetischen Artikeln jede Menge Plastik befindet?

Wo kommt der Müll her?

Man unterscheidet zwischen seeseitigen und landseitigen Einträgen von Müll ins Meer. Zu den seeseitigen Quellen gehören die gewerbliche Schifffahrt, Offshore-Anlagen, Fischerei und Muschelkulturen sowie illegale Verklappungen. Müll vom Land wird durch die Freizeit- und Tourismusaktivitäten an den Küsten und aus dem Binnenland über die Flüsse eingetragen. In manchen Ländern gibt es auch Müllkippen in Küstennähe, die sich ins Meer ergießen.

Der größte Teil des Mülls in der Nordsee stammt wahrscheinlich aus der Schifffahrt, wobei die Fischerei einen erheblichen Anteil verursacht. Aber auch die landseitigen Freizeit- und Tourismusaktivitäten verursachen viel Müll, der im Meer landet.

Die Schutzstation führt seit 1992 eigene Strandmülluntersuchungen durch, deren Ergebnisse 2015 in eine Veröffentlichung mit mehreren Partnern einflossen. Diese Studie kann per Mail bei uns bestellt werden. Eine Kurzform ist hier im Internet einsehbar. Strandmüllfunde können über den BeachExplorer.org erfasst werden.

Welche Probleme macht der Müll?

Treibende Netze (Ghostnets), führen zum Verfangen und Ertrinken von Seevögeln und Meeressäugern, in Tropenmeeren auch von Seeschildkröten, Haien und Walen. In Schnüren, Tauen und Seilen können Tiere sich verheddern, strangulieren oder verletzen. Im Vogelfelsen von Helgoland strangulieren sich pro Jahr etwa 50 Seevögel an Plastikschnüren, die von Basstölpeln gerne als Nistmaterial verbaut werden. Besonders „Dollyropes“, die als Scheuerschutz an der Unterseite von Fischnetzen angebracht werden und massenhaft abreißen, tragen viel zu dieser Todesursache für Seevögel bei.

Viele Meerestiere verwechseln auch kleine Plastikteile mit Essbarem und verhungern dann bei verstopftem Magen. Dies gilt insbesondere für den Eissturmvogel an der Nordsee und für die Albatrosse weltweit.

Treibende Müllteile dienen als Transportmittel für fremde Arten, die sich dann fern ihrer Heimat ansiedeln und im neuen Ökosystem heimische Arten verdrängen können.

Verschwindet das Plastik?

Plastik verrottet nicht, sondern zerfällt durch Wellenschlag oder UV-Einstrahlung in immer kleinere Teile, bis es als Mikroplastik (unter 5 mm) für uns irgendwann im Freiland kaum noch sichtbar ist. Wahrscheinlich schreitet dieser Zerfall auch noch fort bis zu Nanoplastik (unter 1 Mikrometer).

Das Mikroplastik vermischt sich mit Sedimenten und den Sandkörnern am Strand oder driftet frei im Wasser. Aus dem alternden Plastik werden giftige Weichmacher und Flammschutzmittel freigesetzt. Gleichzeitig wirken kleine Plastikteile wie Magnete für verschiedene Umweltgifte und reichern diese an. Fressen Tiere diese Bröckchen, gelangen die Gifte konzentriert in ihren Verdauungstrakt. Bis heute ist unklar, wie Mikro- und Nanoplastik im Meer auf Planktonfresser wirken, die diese Teilchen verschlucken.

Traurige Tatsachen

Plankton ist die Nahrungsgrundlage für viele Tierarten. Das Mikroplastik wird auch von Muscheln, Wattwürmern und anderen Tieren aufgenommen und in deren Körper eingelagert. Über die Nahrungskette landet es in Fischen und Meeressäugern - und letztlich auch bei uns auf dem Teller.

Ein häufiges Opfer von Plastikabfall ist der Eissturmvogel, der natürlicherweise sein Futter von der Meeresoberfläche aufpickt – und heute oft Plastik. Bei 90 % der tot an der Nordsee aufgefundenen Exemplare wird Plastik im Magen gefunden. Hierzu gibt es ein großes Forschungsprojekt, für das alle tot aufgefundenen Eissturmvögel der Wattenmeerküste untersucht werden. Wer einen toten Eissturmvogel findet (unverwechselbar durch die „Röhrennase“ auf dem Schnabel) sollte ihn melden oder bei der nächsten Schutzstation abgeben.

Auch der Basstölpel ist häufig ein Opfer der Vermüllung. Beim Stoßtauchen getroffenes Plastik umwickelt den Schnabel und verhindert das Fressen, so dass die Vögel verhungern. Etwa 20% der tot gefundenen Basstölpel sind an Müll gestorben. 

Was kann man tun?

Mit Müllsammlungen am Strand kann jeder einen eigenen kleinen Beitrag zur Beseitigung des Mülls im Meer leisten, an jedem Tag.

Für interessierte Schulklassen aller Altersstufen bieten wir die Möglichkeit, während einer Klassenfahrt aktiv gegen den Müll im Meer zu werden. Hier mehr.

Tipps zur Plastikeinsparung gibt es hier.

Beispiele für Müllsammel-Aktionen der Schutzstation

Artikel aus "wattenmeer" 2016-3: Meere der Zukunft - ohne Müll

Hintergrundinformationen über Plastikmüll im Meer und über das aktuelle Projekt der Schutzstation Wattenmeer mit neuen Angeboten für Klassenfahrten.

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Artikel aus "wattenmeer" 2014-3: Plastikmüll im Meer - Eissturmvögel als Bioindikator (von N. Guse)

Eissturmvögel, die wir bei Spülsaumkontrollen finden, werden von Wissenschaftlern untersucht. Dieser Auszug aus unserer Zeitschrift "wattenmeer" fasst die Ergebnisse zusammen.

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Poster: Müll in der Nordsee

Fast drei Viertel des Strandguts an unserer Küste besteht aus Kunststoff. Dieses Poster zeigt die Ergebnisse einer Auswertung langjähriger Müll-Zählungen.

Es ist in den Größen DIN A1 und A2 bei unserer Geschäftsstelle erhältlich.

Hätten Sie gedacht, dass...

 

… es weltweit keinen Strand mehr ohne Mikroplastik mehr gibt?

 

… die größte Quelle für Mikroplastik in die Ostsee der Abrieb von Autoreifen auf den Straßen ist?

 

… die Kosmetikindustrie auf Druck der Verbraucher Mikroplastik aus einigen Duschgels entfernt hat?