Fata Morganas im Wattenmeer

Scheinbar über der Sandbank fliegende Menschen, über dem Horizont schwebende Halligen, Blicke um die Erdkrümmung herum oder sogar vermeintliche Seeungeheuer. Fata Morganas können im Wattenmeer faszinierende Erlebnisse bieten.

Zwei Ursachen sind hierfür verantwortlich. Manchmal spielen sie auch zusammen.

 

Luftspiegelungen
entstehen, wenn unterschiedlich warme Luftschichten scharf abgegrenzt übereinander liegen, etwa wenn die Mittagssonne die Sandbank erhitzt und die Luft darüber zu flimmern beginnt. Beim Blick flach darüber hinweg kann die Grenzschicht dann zum Spiegel werden. Ein typisches Beispiel ist die scheinbar über einer Sandbank schwebende Hallig. Dort sieht man etwa nur das Haus und Teile der Warft auf direktem Weg. Darunter spiegeln sie sich samt Himmel, so dass sie auf grauem oder hellblauen Untergrund zu schweben scheinen.

 

Brechungserscheinungen

kommen zustande, wenn z. B. an ruhigen Frühsommertagen über kaltem Meerwasser die Luft auf den ersten Metern kontinuierlich wärmer wird. Dann nimmt auch die Dichte der Luft mit der Höhe und zunehmender Wärme leicht ab. Blickt man von einem etwas erhöhten Standpunkt in Richtung Horizont, wird wie an der Grenzfläche zwischen Luft und Wasser der Blick ein wenig zum dichteren Medium hin abgelenkt. Ein Lichtstrahl wird dann leicht um die Erdkrümmung herum "gebogen" - und dadurch werden Orte sichtbar, die eigentlich hinter dem Horizont verborgen liegen.

 

 

Von Westerhever gesehen beginnt Süderoog bereits morgen zu schweben. Der Fischkutter ist hingegen noch "geerdet".
Mittags ist nur noch das Dach des Hauses zu erkennen. Darunter ist nur gespiegelter Himmel zu sehen.
Luftspiegelungen können auch auf kürzeren Entfernungen entstehen. Mensch und Sandbank sind hier etwa einen Kilometer entfernt.
Diese an der Brandung sitzenden Vögel "schweben" kaum 200 Meter entfernt.
Ein typisches Schönwetterbild: Pellworm mit der alten Kirche schwebt auf einem dünne Streifen Himmel.
Bei höherer Temperatur wird der Pellwormer Leuchtturm gespiegelt.
Blick aus dem Vorland von Westerhever zur Bake auf der Sandbank. Rechts daneben die Süderoogsand-Bake in der Höhe gestaucht und dafür aber mit der dortigen Sandbank weit über den Horizont angehoben.
Hier noch einmal im Detail. Die deutlich angehobene Süderoogsand-Bake wird übrigens darunter samt dem schmalen Sandstreifen noch einmal kopfüber gespiegelt.
Das Ungeheuer von Loch Ness?
Nein - Fahrwassertonnen vor St. Peter-Ording, die im Abendlicht teilweise gestreckt und gespiegelt werden.

Weitblick im Wattenmeer - bis Helgoland

Schon um 1080 erwähnte der Chronist Adam von Bremen, dass man von der Insel Holm (= Utholm, Teil von Eiderstedt) manchmal Helgoland sehen könne.

Eigentlich ist dies gar nicht möglich, denn die Insel liegt 50 Kilometer entfernt bereits hinter der Erdkrümmung verborgen. Bei manchen Wetterlagen können jedoch Fata Morganas den Felsen auch vom Festland sichtbar machen.

Insbesondere wenn an ruhigen Frühjahrs- oder Frühsommertagen auf dem Meer warme über kalter Luft geschichtet ist, können Lichtstrahlen abgelenkt und um die Erdkrümmung herum geführt werden. Schiffe oder Inseln, die unter dem Horizont liegen, werden dann quasi angehoben und sichtbar.

Manchmal bilden sich auch Grenzschichten, an denen sich Bilder spiegeln. Dann kann Helgoland sogar kopfüber am Horizont stehen.

 

 

 

Am 1. Juli 2015 lag Helgoland am späten Nachmittag klar erkennbar am Horizont vor St. Peter-Dorf.
Besonders häufig sind Fata Morganas im Mai. Am 31.5.2009 stand die Insel kurz nach Sonnenuntergang klar hinter dem Pfahlbau "54°Nord" am Ordinger Strand. Gleich links neben dem blitzenden Licht des Helgoländer Leuchtturms sieht man den 130 m hohen Funkmast auf dem Oberland.
Am 27.5.2012 waren im Mondlicht hinter dem DLRG-Pfahlbau vor St. Peter-Dorf neben dem Leuchtturm und den Warnlampen des Funkmastes auch die Lichter des Ortes und des Hafens zu sehen.
Ganz selten kann man Helgoland sogar mittags am Horizont erahnen. Hier ein Bild vom Strand vor St. Peter-Bad am 10.5.2008.
Manchmal, wie hier am Abend des 11.5.2008, schwebt Helgoland kopfüber über dem Horizont und stützt sich scheinbar auf den Funkmast.
Zwar ist der Mai der günstigste Monat, um Helgoland vom Festland aus zu sehen. Doch sind auch andere Situationen möglich. Der 7. März 2011 war ein sehr trockener, klarer Tag. Der Sonnenuntergang wurde durch keinerlei Dunst oder Wolken getrübt. Auffällig war, dass nach dem Verschwinden der Sonne noch einige Zeit ein "glühender" Streifen sichtbar blieb.
Bei nahezu Windstille und Temperaturen knapp über Null lag dann plötzlich, in St. Peter-Ording sogar aus Höhe der Salzwiesen sichtbar, Helgoland als dunkler Streifen auf dem Horizont. Anfangs hing das Bild aufgrund der Schichtung der Luft auf dem Kopf.
Knapp eine Stunde nach Sonnenuntergang war dann die Insel seitenrichtig nicht nur mit dem hohen Sendemast und dem grellen Blitz des Leuchtturms, sondern auch mit einigen Lichtern des Unterlands und des Hafens zu erkennen.
In ganz seltenen Fällen kann man Helgoland sogar von Westerhever aus sehen. Am 7.7.2011 wurde es, nachdem zuvor ein schweres Gewitter durchgezogen war, um Sonnenuntergang herum ganz ruhig. Vom Deich aus war links neben der Leuchtturmwarft Helgoland als dünner Streifen auf dem Horizont zu erahnen.
In diesem Bild ist sogar der Blitz des Leuchtturms zu sehen und links daneben die Silhouette des Funkmastes. Die "Puschel" rechts davon gehören zu den Pricken am Fahrwasser aus der Tümlauer Bucht hinaus zur offenen See.