50 Jahre Waddenvereniging

Der größte Naturschutzverband des Wattenmeeres feiert Geburtstag

21.10.2015

Protest gegen Gasförderung im Wattenmeer Foto: Waddenvereniging

Kees Wevers, ein 16-jähriger Junge aus Kortenhoef bei Amsterdam, hörte Mitte der 1960er Jahre von Plänen der niederländischen Regierung, das Watt vor Ameland einzudeichen und die Insel durch eine Straße mit dem Festland zu verbinden. Zu dieser Zeit war das Watt für viele seiner Landsleute nur wertloser Schlamm. Nützlich war es aus ihrer Sicht nur eingedeicht für die Landwirtschaft, für militärische Übungen oder zum Tulpenzwiebelanbau. Kees Wevers liebte diese einmalige Landschaft. Ihm ließen die Planungen keine Ruhe und er schrieb Briefe an die Herausgeber einiger Zeitungen, um dagegen zu protestieren. Wevers traf den Nerv der Zeit. Begeisterte Naturliebhaber, Bewohner der Küstenregion und Biologen stellten sich hinter ihn und engagierten sich in einer Bürgerbewegung gegen die Zerstörung dieser einzigartigen Gegend. So wurde die heutige Waddenvereniging („Wattenmeer-Gesellschaft“) am 17. Oktober 1965 in Harlingen gegründet.

Schnell entwickelte sich die „Gesellschaft für die Erhaltung des Wattenmeeres“, wie sie damals übersetzt hieß, zu einer der schlagkräftigsten regionalen Naturschutzorganisationen Europas. Bereits 1970 waren ihr 6.000 Mitglieder beigetreten.

Neun Jahre nach Gründung konnten die niederländischen Naturschützer einen wichtigen Etappensieg verbuchen. Die neue Regierung setzte 1974 eine Kommission ein, die zu dem Ergebnis kam, dass nicht nur Robben und Zugvögel unter neuen Poldern zu leiden hätten, diese wären zudem unwirtschaftlich. Aber der Kampf gegen Eindeichungen sollte zu einem zähen und langwierigen Prozess werden. Erst im Jahr 1986 nahm der Staat endgültig Abstand von großflächigen Plänen zur Landgewinnung, einer der größten Erfolge für den Naturschutz.

Letztlich erfolgreich war auch das jahrzehntelange Engagement der Waddenvereniging gegen die Belastung der Flüsse mit stinkenden und giftigen Abwässern, die Fische, Vögel und Meeressäuger im Wattenmeer sterben ließen. Ende der 1980er Jahre verbesserte sich dank schärferer Gesetze die Situation und die Verschmutzung ging zurück.


In den Niederlanden war in den 1960er Jahren durch die wissenschaftliche Forschung der grenzüberschreitende Charakter des Wattenmeeres verstärkt in das Bewusstsein getreten.  Die Erkenntnis, nur etwas gemeinsam mit den Nachbarn bewirken zu können, ließen die Wattenvereinigung in ihren 50 jährigen Geschichte immer wieder zum Impulsgeber für den Wattenmeerschutz werden. Jahrhunderte zuvor fanden Deichbau, flämische Malerei und Delfter Blau ihren Weg gen Osten. Diesmal ging niederländisches Naturschutz-Knowhow den gleichen Weg.

Anfang der 1970er Jahre intensivierte das großangelegte Buchprojekt „Wattenmeer“ der Vereinigung die Kontakte mit deutschen und dänischen Nachbarn. Das Vorwort der deutschen Ausgabe schrieb der bekannte Zoologe Bernhard Grzimek. Auch in der Folge hatten trilaterale Aktionen ihren Ursprung in Harlingen: 1978 wurde die Internationale Fahrradtour von Den Helder nach Esbjerg „Fietsen voor de Waddenzee“ organisiert. Vom 22. Juli bis zum 10.August 1978 machten die Teilnehmer auf „die hochgradige Gefährdung dieses Ökosystems durch den Menschen“ aufmerksam. Die Schutzstation Wattenmeer war für Gespräche, Veranstaltungen, Pressekonferenzen entlang der schleswig-holsteinischen Teilstrecke zuständig.

In den 1980er Jahren knüpfte der kürzlich verstorbene Justitiar der Wattenvereinigung, Karel van der Zwiep, ein Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark. Die Gruppe begleitete kritisch staatliche Konferenzen in den Medien, plante gemeinsame Kampagnen und entwickelte Positionspapiere, die von 40 Vereine und Initiativen in den drei Ländern mitgetragen wurden. Maßgeblichen Anteil hatte die Wattenvereinigung auch an der Schaffung des Gemeinsamen Trilateralen Wattenmeersekretariats in Wilhelmshaven. Dreiviertel der Niederlande liegen knapp über oder unterhalb des Meeresspiegels. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn innovative Ideen zur größten Herausforderung für den Naturschutz wieder von dort kommen: den Klimawandel. Lassen wir uns überraschen, welche Denkanstöße aus Harlingen in Zukunft die Küste nordwärts wandern.

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Der Schüler Kees Weevers wurde mit 16 Jahren stellvertretender Vorsitzender der Waddenvereniging. Foto: Waddenvereniging