Brutvogel-Monitoring

Brütest Du schon oder ziehst Du noch?

Während im Wattenmeer viele Vögel im April/Mai mit der Brut beginnen, rasten tausende Watvögel noch bis Ende Mai/Anfang Juni, bis sie in die arktischen Brutgebiete abziehen. Seit Ende der 1980er Jahre werden die Brutvögel im Nationalpark Wattenmeer von Anfang April bis Mitte Juni in definierten Küstenabschnitten, auf Inseln, Halligen, Außensänden und in Feuchtgebietskögen binnendeichs gezählt. Das Monitoring ist Teil des wattenmeerweiten "Trilateralen Monitoring- und Bewertungsprogrammes" (TMAP).

Wer zählt?

Die Brutvogelzählungen werden im Auftrag der Nationalparkverwaltung von über 50 Mitarbeitern fast aller im Wattenmeer tätigen Naturschutzverbände, vor allem FÖJ'ler und Zivildienstleistende, sowie von einigen Rangern des Nationalparkservice durchgeführt. Zudem werden einige Flächen jährlich von Biologen erfasst sowie große Kolonien vom Flugzeug aus fotografiert und auf den Bildern ausgezählt.

Ergebnisse?

Im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer brüten etwa 100.000 Paare Küstenvögel. Am zahlreichsten sind die Möwen mit etwa 50.000 Brut-Paaren (BP) (30.000 BP Lachmöwen, 4.000 BP Sturmmöwen und je etwa 10.000 BP Herings- und Silbermöwen). Von den knapp 20.000 Paaren Watvögeln sind Austernfischer (15.000 BP), Säbelschnäbler und Rotschenkel (je etwa 4.000 BP) am häufigsten. Sand- und Seeregenpfeifer sind dagegen deutlich seltener (weniger als 500 bzw. 200 BP). Seeschwalben sind mit unter 8.000 Paaren vertreten (Küsten- 4.000 BP, Fluss- 2.000 BP, Brand- <1.000 BP und Zwergseeschwalbe 300 BP). Einige Großvögel wie Kormoran (500 BP) und Löffler (75 BP) haben sich neu angesiedelt. Brandgänse (1.500 BP) sind weit verbreitet, dagegen zählen Eiderenten (300 BP) und Mittelsäger (50 BP) eher zu den selteneren Brutvögeln.

Trends?

Bestandsrückgänge sind leider seit einigen Jahren bei vielen Watvogelarten zu verzeichnen, vor allem bei Austernfischern, Säbelschnäblern, Sand- und Seeregenpfeifern und bei allen Seeschwalbenarten. Die Brandseeschwalbe droht plötzlich als Brutvogel aus dem schleswig-holsteinischen Wattenmeer zu verschwinden, da bereits Trischen als Brutplatz aufgegeben wurde und sich in der letzten Brutkolonie auf Hallig Norderoog ein Bestandszusammenbruch abzeichnet.

Bestandszunahmen wurden bei Rotschenkel und Heringsmöwe festgestellt, sowie neue Ansiedlung bzw. starke Zunahmen bei Kormoran und Löffler.

Bruterfolg miserabel!

In den letzten 10 Jahren gab es fast in jedem Jahr miserablen Bruterfolg bei fast allen Arten, was über kurz oder lang zu sinkenden Brutbeständen führen muss. Entweder war stürmisches Wetter mit zu hohen Wasserständen, welche Eier und Küken wegschwemmten ("Sommersturmfluten"), oder kalte und nasse Perioden bzw. hohe Prädation Ursache für hohe Kükensterblichkeit und zahlreiche Gelege- und Kükenverluste. Auch Nahrungsmangel, wie zu wenig kleine Fische, könnte für die sehr hohe Sterblichkeitsrate der Seeschwalbenküken verantwortlich sein.

Einzig die Küken der Löffler und Kormorane scheinen sehr erfolgreich groß zu werden, da sie realtiv sichere Koloniestandorte ausgewählt haben, zeitig im Frühjahr brüten und die Altvögel ihre Küken erfolgreich mit Garnelen bzw. Fischen versorgen können.