Brutvogel-Monitoring

Brutgebiet von großer Bedeutung

Jedes Frühjahr wird das Wattenmeer zur wichtigen Kinderstube für viele Küstenvogelarten, die in den geschützten Salzwiesen-, Dünen- und Strandlebensräumen ihre Jungen aufziehen. Viele Möwen-, Seeschwalben- und Limikolenarten brüten hier in international bedeutenden Beständen. Seit Ende der 1980er Jahre werden die Brutvögel im Nationalpark Wattenmeer von Anfang April bis Mitte Juni in ausgewiesenen Zählgebieten großflächig erfasst. Die Kartierung ist Teil des wattenmeerweiten "Trilateralen Monitoring- und Bewertungsprogrammes" (TMAP) und liefert einen wichtigen Beitrag für den Vogelschutz.

Wie wird erfasst?

Die Brutvogelzählungen werden im Auftrag der Nationalparkverwaltung vor allem von den im Wattenmeer tätigen Naturschutzverbänden sowie von einigen Nationalpark-RangerInnen durchgeführt. Bei besonders großen und wichtigen Kolonien kommen Drohnen oder Flugzeuge zum Einsatz und die Vögel werden auf Luftbildern präzise ausgezählt.

Die Schutzstation Wattenmeer leistet dabei einen wichtigen Beitrag, indem sie jährlich die Küstenvögel in über 100 Kartierungsgebieten erfasst. Eine Aufgabe, die ohne die Arbeit der Zahlreichen Freiwilligen im FÖJ und BFD unmöglich wäre.

Umstieg auf digitale Erfassung

Bisher wurden die gezählten Vögel bei der Feldarbeit auf Papierkarten notiert, Summen gebildet und mühsam in Tabellen übertragen sowie in einer Gesamtkarten zusammengefasst. Bei über 10.000 Datensätzen pro Jahr eine echte Herkulesaufgabe!

Um die Feldarbeit und Auswertung der Daten zu erleichtern, erprobt die Schutzstation Wattenmeer daher zurzeit ein digitales Erfassungssystem auf Basis von GPS-gestützten Tabletts. In Zukunft erfolgt die Eingabe im Feld über eine einfache App und die Daten synchronisieren sich direkt mit einer zentralen Datenbank, so dass die Auswertung fast komplett automatisch funktioniert. Bei diesem Projekt wird die Schutzstation durch die Europäische Tier- und Naturschutzstiftung (ETN) sowie die Ernst-Commentz-Stiftung gefördert.

Was sind die Ergebnisse?

In den Gebieten der Schutzstation brüten etwa 30.000 Brutpaare verschiedener Küstenvogelarten (Datenstand 2018). Besonders zahlreich sind die Lachmöwe mit knapp 10.000 Paaren sowie der Austernfischer mit knapp 6.000 Brutpaaren. Für den Erhalt vieler Arten sind die von der Schutzstation Wattenmeer betreuten Gebiete von großer Bedeutung. Allein 20 % des deutschen Austernfischer-Bestandes und 30% der Küstenseeschwalben brüten in den Betreuungsgebieten der Schutzstation Wattenmeer. Auch einige sehr seltene Vogelarten brüten dort. 2018 konnten 92 Sandregenpfeifer-Brutpaare und 123 Paare der Zwergseeschwalbe festgestellt werden.

Wie entwickeln sich die Bestände?

Bestandsrückgänge sind leider seit vielen Jahren bei einigen Wattenmeervogelarten zu verzeichnen. Von 29 im Rahmen des trilateralen Monitorings näher untersuchten Arten sind 17 im Bestand wattenmeerweit rückläufig. Dazu zählen unter anderen die Arten Austernfischer, Säbelschnäbler und Seeregenpfeifer

Zunehmende Bestände wurden nur bei neun der untersuchten Arten festgestellt. Löffler brüten beispielsweise erst seit dem Jahr 2000 im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer und haben 2018 bereits einen Bestand von 343 Brutpaaren erreicht. Auch Grau- und Nonnengänse gehören zu den Gewinnern und brüten in zunehmender Zahl besonders auf den Insel und Halligen.

Was gefährdet die Brutvögel?

Die Gefährdungen für die Brutvögel im Wattenmeer sind vielschichtig. Neben häufiger werdenden Sommersturmfluten und zunehmenden Verlusten durch Nesträuber spielen auch Störungen durch Touristen eine große Rolle. Bei vielen Arten reicht folglich der Bruterfolg nicht aus, um die Bestände stabil zu halten.

Die Nester vieler Wattenmeervögel sind buchstäblich nahe am Wasser gebaut. Bei Sommersturmfluten werden daher regelmäßig viele Gelege fortgespült und es kann zu Brutausfällen kommen. Solche Verluste gehören jedoch zur natürlichen Dynamik im Wattenmeer und die Arten sind daran angepasst. Verluste in einzelnen Jahren können normalerweise von einer gesunden Brutpopulation über einen längeren Zeitraum ausgleichen werden. Es gibt jedoch Anzeichen, dass Sommersturmfluten durch den Klimawandel immer häufiger werden und sich so zu einer ernsthaften Bedrohung für viele Arten entwickeln können.

Viele Küstenvogelarten haben sich im Laufe ihrer Evolution an Brutstandorte angepasst, die natürlicherweise weitgehend frei von Bodenprädatoren sind. Ihre Nester bestehen aus einer einfachen Kuhle im Boden und sind daher Raubsäugern schutzlos ausgeliefert. Die Bestände von Rotfuchs, Marderhund uns anderen Raubsäugern haben zuletzt sehr stark zugenommen und oft stehen Vogelnester auf ihrem Speiseplan. An der Festlandsküste sind Kolonien von Möwen und Seeschwalben daher selten geworden. Auch Austernfischer haben am Festland oft kaum noch Bruterfolg, da viele Nester vor dem Schlupf geraubt werden. Auf den Inseln und Halligen gibt es noch gute Brutbestände, jedoch droht den Brutvögeln auch hier die Gefahr vor Raubsäugern, die zum Beispiel über die Lorendämme die Inseln und Halligen erreichen.

Vogelarten wie Sand- und Seeregenpfeifer sowie Zwergseeschwalben sind auf das Brüten an offenen Stränden angepasst und müssen sich zur Brutzeit im Frühjahr ihren Lebensraum mit Badegästen und Strandspaziergängern teilen. Oft werden die perfekt getarnten Gelege daher ungewollt zertreten oder die Vögel werden so sehr gestört, dass sie ihr Nest aufgeben.

 

 

 

Hierbei unterstützen uns sowohl die Europäische Tier- und Naturschutz-Stiftung (ETN-Stiftung) sowie die Ernst-Commentz-Stiftung finanziell.