Auf Zwischenstopp im Weltnaturerbe

Beobachtung von Zugvögeln im Nationalpark Wattenmeer

30.03.2012


Pünktlich zum Frühlingsbeginn kehren immer mehr Zugvögel aus den Überwinterungsgebieten in den Nationalpark zurück. Die Schutzstation Wattenmeer stellt einige Arten vor und gibt Beobachtungstipps.

Kurz nachdem das Wattenmeer Mitte Februar von einer flächendeckenden Eisschicht befreit ist, haben sich Nonnengänse und ihre etwas kleineren Verwandten, die Ringelgänse wieder auf den Weg ins Wattenmeer gemacht. Von nun an haben sie noch sechs Wochen bis Mitte Mai Zeit, um sich auf den Salzwiesen im Nationalpark und mancherorts auch auf Grünlandflächen binnendeichs Fettreserven anzufressen. „Je wohlgenährter die Gänse vom Wattenmeer abziehen können, desto größer sind später ihre Chancen in den arktischen Brutgebieten erfolgreich Nachwuchs aufzuziehen“, sagt Biologe Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer, der das Rastvogelmonitoring im Nationalpark koordiniert.

„Wer die arktischen Gänsearten nebeneinander beim Fressen beobachten möchte, kann dies besonders gut in der Nähe des Leuchtturms Westerhever.“ Das große Salzwiesengebiet rund um das nordfriesische Wahrzeichen und die Grünlandflächen im Binnenland um Westerhever bieten dafür beste Möglichkeiten. Auch auf der vorgelagerten Sandbank und den umliegenden Wattflächen können viele arktische Zugvögel wie Pfuhlschnepfen, Kiebitzregenpfeifer, Knutts, Alpenstrandläufer und Sanderlinge beobachtet werden.

Knutts, Pfuhlschnepfen und andere Watvögel findet man auch auf den Wattflächen an der Sandbank von St. Peter, besonders südlich und nördlich der Pfahlbauten bei St. Peter-Böhl. „Pfuhlschnepfen sind die Rekordhalter im Non-Stopp-Flug“, berichtet Günther. 11.600 Kilometer ohne Zwischenlandung, Schlafen oder Fressen war eine Schnepfe neun Tage über dem Pazifik von Alaska bis Neuseeland unterwegs. „Ein kürzere Strecke, nämlich bis zu 5.000 Kilometer müssen die Schnepfen vom Wattenmeer in die arktischen Brutgebiete bis hin zur Taimyr Halbinsel fliegen. Aber auch das ist eine sehr beeindruckende Leistung“, meint Günther begeistert.  Mit rekordverdächtiger Geschwindigkeit fressen sich die Schnepfen den notwendigen Flugtreibstoff an. Drei bis vier Wochen benötigen sie, um ihr Gewicht annähernd zu verdoppeln. Die Vögel müssen dafür mit ihrem zehn Zentimeter langen Schnabel genügend Krebse und Würmer im Wattboden erstochern. Hierbei hilft ihnen die druckempfindliche Schnabelspitze, blind die Beute im tiefen Schlick aufzuspüren.

Wer um diese Jahreszeit Vögel im Watt beobachtet, hat gute Chancen, den Alpenstrandläufer als häufigsten Zugvogel des Wattenmeeres zu entdecken. Den etwas irreführenden Namen bekam der starengroße Vogel von deutschsprachigen Vogelkundlern als Brutvogel der lappländischen Alpen, einer nordischen Gebirgsregion. Gut zur erkennen sind die Vögel im Sommer an ihrem schwarzen Brustfleck, den auch jetzt schon viele Tiere haben. „Sind die Wattflächen bei Hochwasser vom Meer überspült, können Vogelfreunde die Strandläufer zusammen mit anderen Watvögeln an besonderen Rastplätzen antreffen“, erklärt Vogelkenner Günther. Solche bevorzugten Sammelpunkte gibt es viele an der Küste, beispielsweise südlich des Friedrichskooger Hafens.

Für alle Besucher des Weltnaturerbes Wattenmeer hat Günther noch ein besonderes Anliegen: „Bitte halten Sie bei Ihren Beobachtungen ausreichend Abstand von Rastvogelschwärmen und respektieren Sie auch die abgesperrten Brut- und Rastgebiete. Jedes Auffliegen bedeutet für die Tiere einen unnötigen Energieaufwand.“ Gute Möglichkeiten, die Zugvögel im Nationalpark zu erleben, bieten auch die Führungen der Naturschutzverbände wie der Schutzstation Wattenmeer sowie der Nationalparkranger.

Alpenstrandläufer