Charakterarten in Gefahr

Starker Rückgang bei Wattenmeer-Brutvögeln

18.07.2012

Brandgans-Erpel

Brandgans und Austernfischer gehören zu den auffälligsten und buntesten Vögeln, die das ganze Jahr im Wattenmeer beobachtet werden können. Doch diese scheinbar häufigen Tiere sind in Gefahr. Beide Arten haben in den letzten 20 Jahren im Bestand stark abgenommen, wie neue Ergebnisse der Brut- und Rastvogelzählungen zeigen. Die im Auftrag der Nationalparkverwaltung am Monitoring beteiligte Schutzstation Wattenmeer fordert anlässlich dieser Entwicklung eine verstärkte Ursachenforschung und intensivere Schutzbemühungen.
Zurzeit versammelt sich der größte Teil der Brandgänse Nordwesteuropas vor der Friedrichskooger Halbinsel in Dithmarschen, um dort ihre Schwungfedern zu mausern. Die große Zahl der dort versammelten Tiere täuscht.

 “Wir sind sehr beunruhigt darüber, dass der Bestand an mausernden Brandgänsen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer im letzten Jahrzehnt stark rückläufig ist”, sagt der Biologe Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer. Die Gründe dafür seien weitgehend unbekannt. Auch die Rastbestände im Herbst und Winter seien um fast ein Drittel zurückgegangen. Günther fordert eine verstärkte Ursachenforschung für die alarmierende Entwicklung. Zumal ein geringerer Bruterfolg, verbunden mit hoher Wintersterblichkeit, Nahrungsmangel oder die Zunahme von Störungen durch Schiffsverkehr den Bestand weiter negativ beeinflussen könnten.

Nicht viel besser ergeht es dem Austernfischer, einem anderen Wappentier des Nationalparks, dessen lautes Rufen jeder Nordseegast kennt: Die Zahl der Austernfischer hat in den letzten zwanzig Jahren um 40 Prozent abgenommen. Nahrungsmangel könnte einer der Gründe sein. „In den Niederlanden konnte nachgewiesen werden, dass die dortigen Austernfischer unter der Überfischung der Muschelbestände leiden“, sagt Schutzstation-Biologin Ilka Hoppe, die ihre Masterarbeit der Erforschung des Bruterfolges des Austernfischers auf den Halligen gewidmet hat. Außerdem hätten die letzten beiden strengen Winter viele Todesopfer gefordert. Zur ohnehin hohen Jungvogelsterblichkeit und den häufigeren Sommerhochwassern, die viele Gelege in den Salzwiesenvorländern vernichtet hätten, kämen auf dem Festland Verluste durch Beutegreifer und vor allem durch Intensivierung der Landwirtschaft mit verstärktem Wiesenumbruch und Maisanbau hinzu.

„Wir haben eine besondere Verantwortung für den Schutz von Brandgans und Austernfischer und müssen mehr für ihren Erhalt tun“, fordert Hoppe. Beide Arten seien wichtige Botschafter des Weltnaturerbes Wattenmeer und ihr Schicksal stellvertretend für viele Tiere dieses einmaligen Lebensraums.

Austernfischer mit Küken