Das Tierportrait

Der Alpenstrandläufer Calidris alpina

19.10.2015

Alpenstrandläufer stochert im Watt nach Nahrung, Foto: Ulrich Holst, Schutzstation Wattenmeer

Zu den imposantesten Naturphänomenen im Wattenmeer gehören im Herbst sicherlich die wie Rauchwolken über den Horizont ziehenden Vogelschwärme. Tausende von kleinen Strandläufern bilden dichte Wolken, die sich in rasanter, wogender Bewegung in die Länge ziehen, wieder zusammenballen und schließlich auf engstem Raum niedergehen. Durch die schnelle Bewegung der Vögel sind mal die hellen Unterseiten zu sehen, im nächsten Augenblick durch einen Schwenk ihre dunklen Rücken.

Mit über einer Million Vögeln ist der starengroße Alpenstrandläufer der häufigste Zugvogel im Wattenmeer und bildet - neben dem Knutt - die imposantesten Schwarmbilder. Im Brutkleid ist der Alpenstrandläufer an seinem schwarzen Bauchfleck erkennbar. Er ist im Frühjahr und Herbst in Scharen auf den Wattflächen anzutreffen. Die wenigen Wochen seines Aufenthaltes braucht er, um sich Kraft für den Weiterflug in die Überwinterungsgebiete anzufressen.

Im Frühjahr brütet der Alpenstrandläufer in baumfreien arktischen Tundragebieten der Nordhalbkugel. Von den „Lappländischen Alpen“, wie man im 19 Jahrhundert die skandinavischen Fjälls nannte, rührt auch der deutsche Name des Strandläufers her.

Seine Nahrung im Brutgebiet sind Insekten, weshalb er stets in der Nähe mückenreicher Feuchtflächen zu finden ist. Schon nach drei Wochen sind die Jungvögel flügge und machen sich kurz nach den Altvögeln - ohne Anleitung - auf den Weg in Richtung Wattenmeer. Hier fressen die Alpenstrandläufer verschiedene kleine Wattorganismen und erhöhen schnell ihr Gewicht um über 50 Prozent auf 80 Gramm, damit sie weiterfliegen können. Alpenstrandläufer haben eine hohe Jugend-Sterblichkeit. Nur ein Drittel der Jungen überlebt das erste Jahr, hat dann aber Chancen, bis zu 25 Jahre alt zu werden. Früher brütete der Alpenstrandläufer mit einer besonderen Unterart auch in Schleswig-Holstein. Bis Ende der 1990 gab es noch ca. 40 Paare in Nordfriesland. Dieser Brutbestand ist heute leider erloschen.

Nach der Rast im Wattenmeer fliegen die Tiere in die Überwinterungsgebiete an der Atlantikküste von Irland über Frankreich bis Mauretanien. Sobald die Kälte ab März an der Nordsee nachlässt, erscheinen sie wieder im Wattenmeer, fressen sich neue Fettpolster an und starten dann zur nächsten Brut in die Arktis.

Foto: Klaus Günther, Schutzstation Wattenmeer