Die mit den Aufis spricht

Hamburger Biologin als Stationsleiterin auf Hallig Langeneß

09.10.2012

Aus der Großstadt Hamburg zog es Biologin Ilka Hoppe auf die Hallig Langeneß, wo sie seit kurzer Zeit das Nationalpark-Seminarhaus der
Schutzstation Wattenmeer leitet.  

Ihren ersten Eindruck des winzigen Eilandes in der Nordsee wird Ilka Hoppe nicht vergessen: „Ich war überrascht, wie leer das hier ist“, sagt die Biologin lachend. Auf Hallig Langeneß sollte sie 2009 für ihre Bachelorarbeit das Brutverhalten von Austernfischern untersuchen. Die gebürtige Hamburger Deern, die bisher nur das Pflastersteinwatt der Mönckebergstraße kennengelernt hatte, konnte sich damals kaum vorstellen, länger als drei Monate auf der Hallig zu bleiben. „Danach wollte ich allerdings gar nicht mehr weg. Es gibt wenige Orte, an denen der Himmel so weit und die Natur so nah ist“, schwärmt Hoppe. Aus drei Monaten wurden drei Jahre, in denen sie die „Aufis“ weiter erforschen und in die Arbeit der Langenesser Schutzstation reinschnuppern konnte. Als ihr der Verein in diesem Sommer die Leitung des dortigen Nationalpark-Seminarhauses anbot, sagte sie sofort zu.

„Neben einer Verbesserung unserer Führungen und Vorträge arbeite ich daran, dass wir als ‚Langenesser Schützer’ stärker in die Gemeinde eingebunden und der Kontakt zu den Halligleuten besser wird“, umreißt Hoppe einen Bereich ihrer Tätigkeit, der ihr sehr wichtig ist. Einen ersten Erfolg in diese Richtung konnte sie bereits erzielen. Die Halligbewohner wählten sie bereits kurz nach Dienstbeginn auf der Peterswarf zur ehrenamtlichen Vorsitzenden des Langenesser Ortskulturrings.

Für die Freiwilligen des Seminarhauses bedeutete die hauptamtliche Stationsleitung zuerst eine Umstellung, waren sie bisher doch weitgehend selbstständig tätig. Hoppe sieht ihre Aufgabe daher vor allem als Unterstützung. „Ich weiß die Arbeit eines eigenständigen Teams sehr zu schätzen. Alle anfallenden Aufgaben besprechen wir gemeinsam“, so die neue Hausleiterin. In Notfällen muss sie trotzdem selber ran. Vor kurzem war eine Gruppe des Seminarhauses auf dem Festland gestrandet. „Der Zugführer hatte in Niebüll die Türen beim Aussteigen einfach geschlossen und eine Schülerin musste bis Westerland weiterfahren“, erzählt Hoppe. Die Hausleiterin organisierte kurzfristig eine Übernachtungsmöglichkeit für die ganze Klasse, die dann mit eintägiger Verspätung auf der Hallig eintraf.

Auch die Umwelt hält ständig Überraschungen bereit. Gerade haben die Langenesser Freiwilligen den ersten verölten Vogel dieses Herbstes gefunden. „Bedingt durch die Lage der Hallig haben wir zum Glück weniger verölte Tiere als auf Amrum oder Sylt. Trotzdem macht mich der Anblick jedes Mal wieder wütend“, sagt Hoppe. Für sie Motivation, sich auch oft nach dem offiziellen Ende ihres Arbeitstages für den Naturschutz auf der Hallig einzusetzen.

Besonders freut sich die Biologin, dass sie bei der neuen Tätigkeit ihren Aufis treu bleiben kann, die sie ursprünglich nach Langeneß gebracht haben. Sie wird den Bruterfolg der Vögel auch im nächsten Jahr überwachen und kann so die von ihr begonnene Austernfischer-Forschung auf der Hallig fortsetzen.

Will nicht mehr von der Hallig weg: Stationsleiterin Ilka Hoppe