Die „Zivis“ kommen und der Nationalpark (noch) nicht

Die Schutzstation Wattenmeer von 1972 - 1982

14.12.2012

Stationsgründer Peter Prokosch gibt das Kommando: Beringung von Gänsen auf Langeneß mit Kanonennetzen

Das Jahr 1972 brachte nicht nur das erste Jubiläum der Schutzstation, sondern in vielerlei Hinsicht auch grundlegende Änderungen der Vereinsarbeit mit sich.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Arbeit nur von ehrenamtlichen Mitgliedern erbracht. Laut Satzung konnten es keine „Karteileichen“ geben. Entweder man war aktives Mitglied oder wurde als Förderer eingestuft.

Die Einforderung aktiver Unterstützung zieht sich daher auch wie ein Roter Faden durch die Rundschreiben und Vorstandsprotokolle. So suchte das Vorstandsmitglied Wulf Kappes im Rundbrief vom März 1972 Mithilfe beim Bau von Transportkisten für Ausstellungsgegenstände, warb für die Teilnahme am „Vorkurs“ zum Deutschen Naturschutztag auf Hooge, zur Mithilfe beim Aufbau und der Betreuung der Ausstellung zum Naturschutztag, suchte Betreuer für Schutzgebiete und letztlich einen gebrauchten „Umdrucker-Spirit-Carbon-Vervielfältiger“ für bis zu 250 DM.

Die Vorstandssitzungen brauchten ebenfalls den vollen Einsatz. So eine Sitzung zog sich im Regelfall bis tief in die Nacht, manchmal sogar mit einer kurzen Pause bis in den nächsten Tag. Henning Bunte, langjähriger Schatzmeister, hatte in den ersten Jahren noch kein Auto zur Verfügung und erzählte von sehr abenteuerlichen An- und Abreisen.

Das Ehrenamt stieß an diesem Punkt an seine Grenzen. Und hier kam dem Verein eine Entwicklung zu Gute, die für die gesamte Bundesrepublik Folgen hatte. Die Verweigerung des Wehrdienstes wurde in Folge der Proteste gegen den Vietnamkrieg und des gesamtgesellschaftlichen Aufbruchs durch die sozialliberale Koalition zu einem konstruktiven zivilen Ersatzdienst weiterentwickelt. Neben den Einsatzgebieten im sozialen Sektor meldeten die immer aktiver werdenden Umwelt- und Naturschutzverbände ihr Interesse am Einsatz von „Zivis“ an.

Lesen Sie in unserer Zeitschrift "wattenmeer" (unten zum Download als pdf), wie es im zweiten Schutten-Jahrzehnt mit den Zivis losging und warum der Nationalpark noch keine Chance hatte. Prof. Dr. Hans-Peter Ziemek, Biologe, Altpraktikant und Schutten-Mitglied, führt Sie durch die wilden 1970er.

Infostand mit der „Deutschen Reformjugend“ München in St.Peter-Ording Ende der 1970er Jahre