Fakten sammeln gegen Nordseemüll

28.02.2002

Beteiligung an neuem Monitoringprojekt
Die Schutzstation Wattenmeer beteiligt sich dieses Jahr an einem neuen, internationalen Monitoringprojekt zur Kontrolle des Nordseemülls. Eine erste Erfassung von Strandmüll soll im April beginnen. Zur Zeit laufen die ersten methodischen Tests.

Trotz eines bereits 1992 auf der Internationalen Nordseeschutzkonferenz in Den Haag verabschiedeten Verbotes, Festmüll in die Nordsee einzubringen (MARPOL V), hat sich in den vergangenen zehn Jahren augenscheinlich wenig geändert. Noch immer stoßen Spaziergänger abseits der täglich von Kurverwaltungen gereinigten Badestrände auf wahre Müllberge jenseits des Flutsaumes. Von der Spüliflasche aus Holland, über die (leere) Rumflasche aus Jamaika bis hin zu Kühlschränken, Plastikgranulat und Fischerei-Nylonabfall ist alles zu finden. Schnell wird bei der Analyse des Spülsaumes klar, daß dieser Müll nicht etwa von Küstenbewohnern und Badegästen verursacht wird, sondern über See herandriftet. Hauptverursacher der Müllpest ist, wie auch bei der schleichenden Ölpest, die internationale Schifffahrt. Leidtragende gibt es viele. Allen voran die Nordseetiere. Vor allem sind Tauchvögel betroffen, aber auch Meeressäuger werden immer wieder in Müllteilen verheddert aufgefunden.

Zweites Opfer sind die Gemeinden, die für die Reinigung und Entsorgung von Müll, den sie gar nicht verursacht haben, jährlich große Haushaltsmittel bereitstellen müssen. Ähnliches gilt für die Landes- und Kreiskassen. Drittes Opfer ist der erholungssuchende Mensch, dessen Naturgenuß durch den vom Meer angehäuften Wohlstandsmüll beeinträchtigt wird - und das kann sich wiederum negativ auf die Kassen der "Fremdenverkehrsregion Küste" auswirken. Um endlich neue, schlagkräftige Argumente für die Nordseepolitik zu bekommen hat das OSPAR-Komitee der Vereinten Nationen einmal wieder ein Pilotprojekt zum Müll-Monitoring an der deutschen Nordseeküste begonnen. Projektzeitraum ist vom 1. April 2002 bis zum 30. Juni 2003.

Dabei sollen Müllstücke auf vier repräsentativen Strandstrecken von 1 km Länge an der deutschen Küste regelmäßig analysiert werden. So sollen "Referenzflächen" geschaffen werden, um über die Jahre harte, vergleichbare Daten zum marinen Müllaufkommen zu bekommen. Die Strecken liegen an der Deutschen Küste auf Norderney, Minsener Oog, Scharhörn und Sylt. International machen zahlreiche Nordseeanrainerstaaten mit. Die Schutzstation Wattenmeer betreut eine auf Sylt ausgewählte Probestrecke. Dort wird die Untersuchung von den vor Ort stationierten Mitarbeitern übernommen.

In aufwendiger Kleinarbeit müssen die gesammelten Müllstücke in genormte Listen eingetragen werden. Dabei werden Informationen notiert, die Rückschlüsse auf die Herkunft des Mülls zulassen. Zusätzlich werden größere Müllstücke fotografiert. Teilweise wird am Ende der Analyse der Müll auch abgesammelt und entsorgt. Schließlich wird das Datenmaterial von zentraler Stelle ausgewertet und zur Beurteilung der Wirksamkeit von Beschlüssen der Nordseekonferenz herangezogen. Die Koordination für die Deutsche Küste liegt beim Nationalparkamt in Tönning.