Giftiges Flugzeug-Enteisungsmittel im Nordseewasser entdeckt

Schutzstation Wattenmeer fordert Ersatzstoffe und verbesserte Kontrollen

02.12.2011


Wissenschaftler aus Geesthacht haben in der Nordsee erstmals die Chemikalie Benzotriazol gefunden. Sie wird in großen Mengen als Korrosionsschutz den im Flugverkehr verwandten Enteisungsmitteln zugesetzt.

Bisher gab es über die Verbreitung des Stoffes im Meer noch keine Messdaten. „Der Fall zeigt einmal mehr, dass der Nordseeschutz im Binnenland beginnen muss. Wir fordern den Einsatz von weniger giftigen und leichter abbaubaren Stoffen im Flugverkehr“, sagt Christof Goetze, Pressesprecher der Schutzstation Wattenmeer. Selbst die Hersteller stufen Benzotriazol als wassergefährdend, fischgiftig und langfristig schädlich für Wasserorganismen ein.
 
„Die Untersuchungsergebnisse sind bedenklich, wenn auch leider nicht überraschend“, sagt Goetze. „Benzotriazol ist sehr langlebig und wird durch die Bakterien von Kläranlagen kaum abgebaut.“
Von dort gelangen nach Berechnungen des Helmholtz-Instituts jedes Jahr 80 Tonnen der Chemikalie hauptsächlich über Elbe und Rhein in die Nordsee.  Der sehr gut wasserlösliche Stoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

In den letzten Jahren ist der Gebrauch von Benzotriazol stark gestiegen. Neben dem Einsatz auf Flughäfen findet er im Haushalt als Silberschutzmittel im Geschirrspüler seine Anwendung. Auf Textilien aufgebracht soll er den Träger vor UV-Strahlen schützen; in Bremssystemen und Kühlflüssigkeiten wird die Chemikalie als Korrosionsschutz zugegeben.

„Die gemessenen Konzentrationen stellen im Nordseewasser für den Menschen zwar keine akute Gefahr dar. Wichtig für die Meeresumwelt sind aber die langfristigen Folgen und die Wechselwirkungen mit anderen Stoffen“, sagt Goetze. Er fordert zudem eine regelmäßige Kontrolle der Abwässer auf Benzotriazol.

Hamburger Flughafen; Autor: Hecki, Wikipedia.de, GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2