In der neuen Umgebung ankommen

Flüchtlinge, Neu- und Althusumer erkunden mit dem Nationalparkhaus das Wattenmeer

05.08.2016

Für die Freiwillige Jana Kehr aus Göttingen, die zusammen mit Tammo Fricke ihren erfahrenen Kollegen Daniel Bloche von der Schutzstation Wattenmeer begleitet, ist es eine ihren ersten Wattwanderungen. Das hat sie mit den Flüchtlingen Yara aus Damaskus, Noman aus Aleppo und den meisten Teilnehmern ihrer Gruppe des Sprachcafés Husum gemeinsam. Schnell legt sich die anfängliche Skepsis und die kleine Gruppe des offenen Sprachtreffs folgt den Freiwilligen in die vor Lundbergsand gelegenen Wattflächen. 

Vieles über die Tier- und Pflanzenwelt vermitteln die Naturschützer bei dieser Wanderung über sinnliche Eindrücke. Es darf ertastet, erfühlt und erschmeckt werden. Jeder Teilnehmer bekommt ein dickliches Pflanzenstück zum Probieren in die Hand gedrückt: „Der Queller muss viel Salz in seinem Zellsaft anreichern, damit er in der Meeresumgebung überhaupt Wasser aufnehmen kann“, erläutert Daniel Bloche. „Das schmeckt man auch“, findet die aus Syrien stammende Yara. 

Die Wattwanderer müssen einen kleinen Priel überqueren. Flüsse auf dem Meeresboden? Wieder eine neue Erfahrung. Tammo fischt nach alter Tradition der Küstenbewohner mit einer Gliep ein paar Garnelen und zeigt sie in einem kleinen Glas herum. Beim anschließenden Muschelsuchen eine Überraschung: Ein kleiner Krebs hat es sich in den Schalen einer toten Herzmuschel wohnlich eingerichtet.

„Um in der neuen Umgebung ‚anzukommen’, ist es genauso wichtig zu wissen, welche fantastische Natur wir hier im Weltnaturerbe vor der Haustür haben, wie den Weg zum nächsten Supermarkt zu kennen“, sagt Lieske Köntje vom Sprachcafé Husum, die den Kontakt zum Nationalparkhaus gesucht hat. Zum Erkunden der Region und dem gegenseitigen Kennenlernen organisiert das Sprachcafé gemeinsame Aktivitäten und gibt die Möglichkeit, bei den regelmäßigen Treffen Deutsch zu sprechen.

Jeder Teilnehmer nimmt von der Wattwanderung an diesem schönen Sommertag andere Impressionen mit: Noman ist besonders vom Einsinken im Watt beeindruckt, wenn er längere Zeit auf der Stelle tritt. Für die Freiwillige Jana sind es die ausgedehnten Quellerwiesen, die sie aus dem niedersächsischen Binnenland nicht kennt. Einig sind sich alle mit Yara, die alles sehr schön fand und es gern wieder machen würde.

Treffen des Sprachcafés Husum: 

alle 14 Tage dienstags um 18:30 Uhr 

im Bonhoeffer-Haus, Bonhoefferweg 1 in Husum. 

nächster Termin: Di 9.8.16 18.30 Uhr

Die Bundesfreiwilligen Daniel Bloche (rechts mit gelbem Rucksack) und Tammo Fricke (links) kommen dem Watt ganz nah

Carla Möller-Schulz, Mitinitiatorin des Sprachcafés Husum, begleitet Firas aus Syrien über den Priel