Jetzt doch noch: Raketenschüsse in den Nationalpark

19.11.2001

Zwischen dem 20. und 23.11. will die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen der Bundeswehr nun doch noch zwei Hochgeschwindigkeitsflugkörper in den Nationalpark Wattenmeer abfeuern. Bereits zweimal (2000 und Mitte Oktober 2001) wurden diese Waffentests in Deutschlands größtem Schutzgebiet nach Protesten der Schutzstation Wattenmeer aus "organisatorischen Gründen" verschoben. Doch jetzt scheint es ernst zu werden: Die Bundeswehr hat Landesumweltminister Müller und den Leiter des Nationalparkamtes Herrn Dr. Scherer eingeladen, die voraussichtlich morgen vormittag stattfindenden Abschüsse zu beobachten. "Es ist es peinlich und unsensibel, wenn die Bundeswehr im Beisein des Umweltministers drastische Vogel-Störungen im Nationalpark Wattenmeer verursacht, während von ehrenamtlichen Naturschützern dieser Tage bis zu 1000 tote Ölvögel abgesammelt werden.", sagt Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer.

Laut Klaus Günther dem Vogelexperten des WWF´s und Leiter des Rastvogelmonitorings im Nationalpark befinden sich in der Meldorfer Bucht zur Zeit noch mindestens 30-40 000 Wat-und Wasservögel, die sich durch intensive Nahrungsaufnahme, überwiegend auf Wattflächen im Zielgebiet der Geschosse, entweder auf den Wintervor Ort oder die energiezehrende Reise in die entfernten Überwinterungsquartiere vorbereiten.(Überwiegend Alpenstrandläufer, Brachvögel, Brandenten, Austernfischer u.a.) "Der Abschuss von Hochgeschwindigkeitsflugkörpern (HFK) ist bei dem ganzen Manöver noch die geringste Störung", so Koch. "Die übliche flächendeckende, großräumige Vergrämung der geschützten Vogelwelt passiert vielmehr durch den Einsatz von Hubschraubern und Suchkommandos, die vor und nach den Schüssen zum Einsatz kommen".

Noch im vergangenen Jahr hatte Landesumweltminister Müller die militärische Aktivitäten im Nationalpark scharf kritisiert. Die Schutzstation Wattenmeer appelliert daher an den Umweltminister Müller, bei seinen Gesprächen an der Meldorfer Bucht nicht auf "Schmusekurs" mit der Bundeswehr zu gehen, sondern einen konkreten Termin zur Schließung des Übungsplatzes im Nationalpark mitzubringen.