Kitesurfer als Vogelscheuchen

Naturschützer fordern Beschränkung auf ausgewiesene Bereiche im Nationalpark Wattenmeer

29.10.2009

Kitesurfen, eine Kombination aus Surfbrett und Lenkdrachen ist die Trendsportart der letzten Jahre. Im Wattenmeer geraten die windgetriebenen Brettakrobaten dabei häufig mit den Schutzzielen des Nationalparks in Konflikt. Naturschützer fordern daher eine Beschränkung der Kites auf ausgewiesene "Kitespots" und die Respektierung der bestehenden Schutzzonen durch die Sportler.

An Bastelprojekte aus Kindertagen erinnern die heute zum Einsatz kommenden Drachen nur entfernt. Mit bis zu 19 Quadratmetern erreichen die fliegenden Matratzen fast die Größe eines durchschnittlichen deutschen Wohnzimmers und beschleunigen Könner der Sportart auf 70 Stundenkilometer. Der Weltrekord liegt bei über 100 Stundenkilometern.

Mit ihrem Board, das praktisch keinen Tiefgang besitzt, gelangen die Funsportler auch in Flachwasserbereiche des Nationalparks Wattenmeer. Jetzt zur Vogelzugsaison geraten sie häufig in Konflikt mit rastenden Watvögeln.

"Wir beobachten vor Westerhever und St. Peter-Ording immer wieder Kitesurfer, die direkt an Hochwasserrastplätzen und Vogelbrutgebieten entlang fahren ", sagt Rainer Schulz, Biologe der Schutzstation Wattenmeer. "Ein einzelner Kiter kann in wenigen Minuten Tausende Vögel vertreiben", so der Husumer Naturschützer weiter. "An Wanderer auf den Wegen im Nationalpark haben sich die Vögel gewöhnt. Wenn man auf dem Weg bleibt, fliegen Ringel- oder Nonnengänse auch bei einer Annäherung auf 20 Meter nicht auf. Kitesurfer sind für die Vögel jedoch unberechenbar. Zugleich ähneln die Drachen tief fliegenden Greifvögeln. Daher gibt kaum effektivere Vogelscheuchen als Kitesurfer."

Trotzdem ist das Ganze legal: Steht das Watt bei Flut unter Wasser, wird es rechtlich zur Bundeswasserstraße und die entsprechende Verordnung erlaubt das Kiten überall im Nationalpark ohne Einschränkung.

"Wir fordern die Bundesverwaltung auf, die seit inzwischen zehn Jahren ausstehende Novellierung der Befahrensregelung für das Wattenmeer endlich auf den Weg zu bringen und auch die Kitesurfproblematik mit zu erfassen", sagt Schulz. Verbieten wolle man das Kitesurfen nicht, sondern in naturverträgliche Bahnen lenken. Hierzu gehörten auch freiwillige Vereinbarungen mit Surfschulen im Nationalpark. Hiermit könnten aber nur die organisierten Sportler erreicht werden.

Erfunden wurde die heutige Form des Kitesurfens im Frankreich der 1980er Jahren. Als einer der Urgroßväter gilt der englischer Lehrer George Pocock. Er kam Anfang des neunzehnten Jahrhunderts auf die Idee, einen Lenkdrachen vor eine Kutsche spannen, um schneller voran zu kommen und Straßenmaut für Gefährte mit Pferdeantrieb zu sparen.

Kitesurfer vor St.Peter