Löfflerbestand im Nationalpark Wattenmeer nimmt weiter zu

Gute und schlechte Nachrichten von den elegantesten Watt-Vögeln

27.06.2013

Einerseits brüten so viele Tiere wie noch nie zuvor, andererseits musste erstmals eine Kolonie hohe Verluste an Eiern und Küken hinnehmen.

Die weißen Ibisvögel mit dem langen löffelförmigen Schnabel brüten in diesem Jahr wieder in vier Kolonien im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. „Mit 179 Brutpaaren wurde ein neuer Höchstbestand erreicht. In den beiden Vorjahren waren es jeweils nur 130 Paare. Damit setzen die Löffler ihre sehr erfolgreiche Ansiedlung seit dem Jahr 2000 bei uns im Wattenmeer fort“, berichtet Diplom-Biologe Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer in Husum, der das Löffler-Bruterfolgsmonitoring im Auftrag der Nationalparkverwaltung durchführt.

2012 war es nicht so gut für die Löffler gelaufen. Eine Dürre in Nordwestafrika und Spanien hatte dafür gesorgt, dass die Vögel auf ihrem Zug von den Überwinterungsgebieten in Westafrika nach Norden weniger zu fressen vorfanden und etliche das Wattenmeer erst nach der Brutzeit oder gar nicht mehr erreichten. Dadurch stagnierte der Bestand erstmals und der übliche jährliche Zuwachs um über 20 Prozent fiel aus.  

Auch zu Beginn dieses Frühjahrs sah es nicht gut für die Löffler aus. Der sehr lange und kalte Winter führte dazu, dass sich der Brutbeginn um mindestens drei Wochen gegenüber normalen Jahren verzögerte. Einige früh im Februar und März ins Wattenmeer zurückgekehrte Altvögel starben sogar aufgrund von Kälte und Nahrungsmangel. Dennoch gab es in den drei Kolonien auf Föhr, Hallig Südfall und auf der Insel Trischen einen guten Bruterfolg. Fast 200 Jungvögel werden dort ab Mitte Juni flügge und etliche weitere Gelege werden zur Zeit noch bebrütet.

Schlechte Nachrichten gab es allerdings von der vierten und bisher größten Kolonie auf Hallig Oland. Bis jetzt wurden alle Löffler-Küken von einem Beutegreifer, vermutlich einem Fuchs, gefressen. Es ist fraglich, ob einige der dort 57 Brutpaare aus den verbliebenen oder neuen Gelegen überhaupt Nachwuchs großziehen können. „Das hat es in den letzten 14 Jahren so noch nicht gegeben“, sagt Vogelexperte Günther. Erstmals sei es zu erheblicher Prädation bei den Löfflern auf Hallig Oland gekommen. „Trotz des Lorendammes, der die Hallig mit dem Festland verbindet, haben die Vögel bisher erfolgreich auf Oland brüten können und ebenfalls maßgeblich zum Bestandsanstieg der letzten Jahre beigetragen“, so Günther weiter. Nun befindet sich die größte Kolonie mit 75 Brutpaaren auf der Insel Trischen im Dithmarscher Wattenmeer. Hier gibt es keine Säugetiere als Beutegreifer und die Löffler können ihre Jungen, welche sie vor allem mit Garnelen füttern, erfolgreich großziehen.

 

 

Foto Klaus Günter, Schutzstation Wattenmeer