Muscheln, aus denen "Enten" werden

Seltene Rankenfußkrebse in Hörnum auf Sylt angeschwemmt

23.09.2009

In Hörnum auf Sylt haben Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer seltene Entenmuscheln am Strand gefunden. Die Tiere kommen sonst nur an Felsküsten unterhalb der Niedrigwasserlinie sowie auf Treibgut vor.

Regelmäßig kontrolliert Ricarda Steinike, die ihr Freiwilliges Ökologische Jahr auf Sylt ableistet, zusammen mit ihren Kolleginnen das angeschwemmte Treibgut rund um die Südspitze der Insel Sylt. Dabei fielen ihr zu Beginn der Woche seltsame, muschelähnliche Gebilde auf, die an einem Stück Treibholz hafteten. Bei näherer Begutachtung erwiesen sich die vermeintlichen Weichtiere als Entenmuscheln, festsitzende Rankenfußkrebse. "Die kalkhaltigen, dreieckigen Platten lassen sie wie Muscheln aussehen", weiß Biologin Kirsten Thiemann von der Schutzstation Wattenmeer. "Ein genauer Blick lässt aber die Rankenfüße erkennen, mit denen die Tiere Plankton aus dem Wasser fischen wie Fischer mit einem Netz", so die Biologin weiter.

Entenmuscheln heften sich, nachdem sie als Larven frei im Meer geschwommen sind, auf eine feste Unterlage wie Felsen oder im Wasser treibende Gegenstände. "Im Mittelalter glaubten die Menschen, dass Entenmuscheln die Eier der Nonnengänse sind", erläutert Thiemann die Herkunft des ungewöhnlichen Namens. Die Küstenbewohner konnten sich nicht erklären, wo im Frühjahr die Gänse herkommen. Es gab weder Nester noch Küken zu sehen.

Weil Entenmuscheln auf Treibholz im Spülsaum anzutreffen sind, dachten die Menschen, die Gänse hätten sie als "Eier" auf die Äste gelegt. Auch im englischen Namen der Nonnengans, Barnacle Goose, was "Entenmuschelgans" bedeutet, lebt dieser Glaube fort.

Die fingerlangen Entenmuscheln, deren Verwandte in Nordspanien eine teure Spezialität sind, können im Aquarium der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum bewundert werden.