Neue Windstromkabel im Nationalpark Wattenmeer

30.06.2004

Nachdem bereits mehrere Offshorewindparks vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie genehmigt worden sind, liegt jetzt der erste Antrag für ein Seekabel zum Transport des Stroms an das Festland vor. Aktuell stehen die Leitungen von den Windparks "Butendiek" und "Dantysk" an der dänischen Grenze vor Sylt zur Diskussion.

Angelandet werden soll der Strom auf Sylt am nördlichen Ortsrand von Westerland. Die Insel verlassen würden die Kabel nach Betreiberplanung bei Keitum, um dann quer durch den Nationalpark Wattenmeer direkt am Rickelsbüller Koog das Festland zu erreichen.

Positiv zu bewerten ist die Zusammenfassung der beiden Kabeltrassen in einem Korridor, so dass sich die Störungen bei Einrichtung und Betrieb auf diesen Bereich beschränken.

Um den Eingriff in den Nationalpark zu minimieren, sollte allerdings auch die Trasse bis zum Westende des Hindenburgdamms auf der Insel geführt werden. Problematisch ist auch die geringe Tiefe von 1,20m bis 1,40m in der die Kabel im Watt verlegt werden sollen. Jede Kabelader gibt pro laufendem Meter die Energie einer Glühbirne an das Watt ab, so dass sich der Boden auch bis in die belebten Schichten hinauf aufheizen kann. Um Effekte wie verstärkte Sauerstoffzehrung, schwarze Flecken usw. von vorn herein auszuschliessen, wäre eine tiefere Verlegung sinnvoll.

Besonders kritisch sieht die Schutzstation Wattenmeer die Tatsache, dass die Betreiber nicht für die Entsorgung ihrer Kabel nach Nutzungsende grade stehen wollen. "Hier muss wie überall das Verursacherprinzip gelten" fordert Dipl. Biol. Rainer Schulz. "Neben 3.700 t Kupfer könnten sonst 3.000 t Blei den Nationalpark belasten, falls sie nach Nutzungsende im Boden bleiben und die Ummantelung durch das Seewasser korrodiert. Die Betreiber dürfen von den Behörden nicht aus der Pflicht gelassen werden, bei Betriebsende die dann für die Umwelt günstigste Form der Entsorgung vorzunehmen."

Das Genehmigungsverfahren wird von der Schutzstation Wattenmeer und anderen Naturschutzverbänden sehr genau beobachtet, da in den nächsten Jahren ein Vielfaches der Strommenge an Land zu bringen ist und daher jetzt die Standards für zahlreiche weitere Kabelverbindungen gesetzt werden.

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