Offshore Windkraft - Abkehr vom Wildwuchs?

01.01.2002

Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Energie-Staatssekretärs Voigt gegenüber den Nationalparkkuratorien, koordinieren Bund und Küstenländer ihre Pläne zur Genehmigung von Offshore -Windparks jetzt in einer hochrangigen, regelmäßig tagenden Arbeitsgruppe. Damit ist die Chance größer geworden, daß die Bedenken von Umweltverbänden und Küstengemeinden in Hinblick eines "Wildwuchses" von Windparks vor der Küste doch noch ernster genommen werden.

Ziel ist, die Antragsteller mit sanftem Druck zur Konzentration ihrer Planungen auf zwei eng begrenzte Suchräume weit entfernt von Borkum und Sylt zu bewegen. Der Suchraum vor Sylt soll hierbei noch seewärts des Walschutzgebietes und der IBA (Important Bird Area) liegen.

Als erstes konkretes Ergebnis der Bemühungen wurde der Plan eines Windparks innerhalb der 12sm-Zone nördlich Helgolands laut Voigt "beerdigt". Weiterhin seien sich Bund und Küstenländer einig, trotz (oder wegen) der unklaren Gesetzeslage rund um das noch nicht endgültig verabschiedete Bundesnaturschutzgesetz, alle Windpark-Anträge einer Prüfung zu unterziehen, die inhaltlich einer UVP nach EU-Recht entsprechen soll.

Auch die, besonders von der Schutzstation Wattenmeer schon lange geforderte, Koordinierung der Kabelverbindungen scheint jetzt voranzukommen. Wegen der großen Entfernung der Suchräume zum Festland ist eine Kabelanbindung praktisch nur noch in Gleichstromtechnik denkbar. Wechselstromkabel werden spätestens bei Entfernungen um 100 km unwirtschaftlich, da die eingesetzte Energie fast vollständig in die andauernde Umpolung des Kabels fließt.

Für die Gleichstromtechnik sind allerdings, da hier nicht mit konventionelle Transformatoren gearbeitet werden kann, hektargroße Konverterstationen notwendig. Nach Voigt ist z. Zt. eine große Station nordwestlich von Helgoland im Gespräch, in die alle Parks im Suchraum vor Sylt einspeisen sollen.

Der Strom könnte, so Voigt, in eine Gleichstrom-Ringleitung in der Deutschen Bucht geleitet werden, die später als Verbundsystem die Windparks in der Nordsee mit Anlangepunkten wie Emden, Wilhelmshaven, Cuxhaven oder Brunsbüttel verbindet. In den Nationalparks sollten Kabeltrassen soweit möglich gebündelt werden.

Allerdings seien die genannten Pläne über grobe Ideenskizzen bislang noch nicht hinausgekommen. Konkretere Pläne sollen im Frühjahr entwickelt werden.

Die Schutzstation Wattenmeer wird hier frühzeitig darauf hinwirken, daß von vornherein auf ungünstige Trassen durch die Nationalparke, wie etwa durch das Brandgansmausergebiet vor Dithmarschen, verzichtet wird.