Rettet den Nasenfisch im Wattenmeer!

Naturschützer fordern Aktionsprogramm für den Nordseeschnäpel

20.04.2018

Der Schnäpel, ein Wattenmeerfisch mit einer niedlichen Nase, ist vom Aussterben bedroht. Die letzte Population des Fisches lebt im deutsch-dänischen Grenzfluss Vidau, der auf der Höhe von Sylt in die Nordsee mündet. Diese letzten Vertreter ihrer Art haben im Winter einen drastischen Bestandseinbruch erlitten.
 
Die Schutzstation Wattenmeer fordert zur Rettung des Schnäpels nun ein grenzübergreifendes Aktionsprogramm mit einem Runden Tisch, bei dem Fischereiforscher, Naturschützer, Wasserbauer und Angler Schutzkonzepte für den Schnäpel entwickeln können.
 
„Der Nordseeschnäpel ist eines der ganz wenigen Tiere, die ausschließlich im Welterbe Wattenmeer vorkommen. Die Wattenmeerstaaten haben deshalb eine hohe Verantwortung für den Erhalt dieser Art“, sagt Schutzstation-Biologe Rainer Borcherding. Auch dänische Forscher ermahnen aktuell in der Zeitschrift „Nature“ ihre Regierung, sich aktiver für den Erhalt dieser europaweit geschützten Fischart einzusetzen.
 
Natürlicherweise kam der Nordseeschnäpel von Südengland bis Dänemark in allen Zuflüssen des Wattenmeeres vor. Jeden Herbst sind die etwa vierzig Zentimeter großen Fische Rhein und Elbe und alle kleineren Flüsse hinaufgewandert, um in langsam strömenden und pflanzenreichen Gewässerabschnitten zu laichen.
 
„Sperrwerke, Gewässerverschmutzungen und Flussbegradigungen haben den mit Lachs und Forelle verwandten Nordseeschnäpel fast überall aussterben lassen“, sagt Borcherding. Lediglich in der Vidau sei die Art durch ein dänisches Zuchtprogramm seit 1986 erhalten worden. In Gefangenschaft ist es nicht schwer, Tausende von Eiern und Jungfischen des Schnäpels zu erzeugen. Allerdings reichten die dänischen Bemühungen nicht aus, um den Bestand so weit aufzubauen, dass er ohne ständige Nachzüchtungen existieren oder gar andere Flüsse wieder besiedeln konnte. Lediglich in der niederländischen Ijssel wurde 2010 einmal die Eiablage von aus Dänemark zugewanderten Schnäpeln nachgewiesen.
 
„Deutsche Flüsse scheinen durchweg noch zu dreckig und zu verbaut zu sein, um die Wiederansiedlung des Nordseeschnäpels zu erlauben“, sagt Borcherding.
Auch die Vidau biete nicht mehr genug Verstecke und natürliche Strukturen, damit dort ausreichend Schnäpel ihren Feinden entgehen können.
 
„Der 1992 von der EU ausgesprochene Schutz hat leider bislang zu keinerlei Verbesserungen der Situation geführt“, bedauert er. Auch die durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie vorgeschriebene Verbesserung der Fließgewässer sei offenbar noch nicht ausreichend, um die Lebensräume des Schnäpels und anderer Wanderfische wiederherzustellen.
 
„Wir brauchen neben dem Runden Tisch auch ein Artenschutzprogramm im nordfriesischen Einzugsgebiet der Vidau, das die Nährstoffeinträge aus Ackerflächen senkt und Fischlaichgebiete in Seitenbächen wiederherstellt“, fordert Borcherding. Außerdem müsse der Schnäpel als eine Schlüsselart des Wattenmeeres bei den Beschlüssen der Ministerkonferenz der Wattenmeer im Mai 2018 in Leeuwarden (Niederlande) berücksichtigt werden.

Der Nordseeschnäpel ist eines der ganz wenigen Tiere, die ausschließlich im Welterbe Wattenmeer vorkommen, Foto: Rainer Borcherding, Schutzstation Wattenmeer