Schutzstation Wattenmeer unterstützt Krabbenfischer

07.07.2004

Den seit dem 29. Juni anhaltenden Streik der Krabbenfischer für legale Fangmengen- absprachen und höhere Handelspreise unterstützt die Schutzstation Wattenmeer in Schleswig-Holstein. Trotz mancher Auseinandersetzungen mit der Fischerei wünschen die Naturschützer den Fischern Erfolg bei ihrem Protest.

Hierzu der Meeresbiologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer: "Die EU betreibt derzeit Wahnsinn mit Methode. Erst subventioniert sie jahrelang eine zu große Flotte, und nun verbietet sie plötzlich Fangmengenabsprachen. Das zwingt die Fischer zu rücksichtsloser Ausbeutung des Meeres und hat den Krabbenpreis in´s Bodenlose stürzen lassen. Nun stehen einige Fischer vor dem wirtschaftlichen Ruin. Hier opfert die EU-Kartellbehörde ein traditionelles Küstengewerbe völlig sinnlos und aus heiterem Himmel ihrer abstrakten Idee von Marktwirtschaft. Und niemand hat etwas davon."

Der Krabbenpreis, den die Fischer beim Großhandel erzielen, und der ihr wirtschaftliches Geschick bestimmt, ist derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit zehn Jahren. Ursache hierfür sind Bußgelder der niederländischen Kartellbehörde gegen die Erzeugergemeinschaften der Krabbenfischer, die im Juni rechtskräftig wurden. Vorher hatten die Fischer - mit Zustimmung der EU - ein ausgeklügeltes System von freiwilligen Vereinbarungen, durch das sie übermäßige Fänge und entsprechende Preiseinbrüche meist vermeiden konnten. Nun sind die Fischer nach einem Meinungswechsel der Kartellwächter zu gnadenlosem Wettfischen verurteilt, um durch immer größere Fangmengen die immer niedrigeren Preise auszugleichen. Der Verbraucher merkt von den geringen Krabbenpreisen jedoch nichts, denn der Handel streicht die Differenz ein.

Aus Naturschutzsicht bewertet die Schutzstation Wattenmeer die aktuelle Situation sehr kritisch. Hierzu Rainer Borcherding: "Wir haben seit Jahren einen harten Wettbewerb zwischen kleinen deutschen Kuttern im Familienbesitz und großen holländischen Kuttern, die anonymen Großunternehmen gehören und rücksichtslos die Nordsee leerräumen. Wenn durch dieses Manöver der Kartellwächter weitere heimische Fischer pleite gehen, kaufen die Großunternehmen auch ihre Fanglizenzen auf. So wird es immer schwerer, naturverträgliche Fischereiformen hier im Nationalpark oder weiter draußen in der Nordsee zu entwickeln, weil man die auswärtigen Fischer überhaupt nicht erreichen kann."

Die Schutzstation Wattenmeer empfiehlt Urlaubern und Einheimischen, bevorzugt Krabben zu kaufen, die direkt in der Küstenregion gepult und vermarktet werden und nicht über den Großhandel zum Pulen nach Marokko oder Rußland verfrachtet wurden.

Von der EU fordert sie eine umgehende Wiederzulassung von Fangmengenabsprachen in der Krabbenfischerei.