Schweinswalbaby im Nationalpark Wattenmeer geboren

Erstes Waljunges im Jubiläumsjahr des Walschutzgebiets vor Sylt gesichtet

04.06.2010

Zum Sommerbeginn bringen Schweinswale, die einzigen heimischen Wale, in den Küstengewässern von Nord- und Ostsee ihre Jungen zur Welt. Besonders häufig suchen die Meeressäuger dazu ein zirka 1.200 Quadratkilometer großes Gebiet vor der Insel Sylt auf, das seit 1999 als Walschutzgebiet ausgewiesen ist. Vom Hörnumer Strand aus haben Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer bei ihren regelmäßigen Kontrollgängen am 02.06.10 die erste Schweinswalmutter mit Neugeborenem dieses Jahres beobachtet.

Schweinswale zählen mit 1,70 cm Länge zu den größten Bewohnern des Weltnaturerbes Wattenmeer und gehören zu den weniger bekannten Stars dieses Lebensraumes. Trotzdem sind sie alles andere als still. Schweinswale verständigen sich unter Wasser durch Klicklaute. Mit Ultraschall spüren sie ihre Beute auf, vor allem Fische. Ihr Gehör reagiert sehr empfindlich auf Schalleinwirkung von außen.

„Unterwasserlärm wirkt auf Schweinswale so, als ob ein Düsenjäger durch ein Wohnzimmer fliegen würde“, sagt Silvia Gaus, Meeressäugerexpertin der Schutzstation Wattenmeer. „Das Walschutzgebiet vor Sylt ist so wichtig, weil diese Meeressäuger dort ihre Jungen ungestört zur Welt bringen,“ so Gaus weiter. Im Jahr 2010 feiert das Walschutzgebiet sein zehnjähriges Jubiläum. Es wurde auf maßgebliche Initiative der Schutzstation Wattenmeer eingerichtet.

In den 1990er Jahren hatte der Naturschutzverein ein Projekt gestartet, bei dem auch Urlauber ihre regelmäßigen Sichtungen von Schweinswalen melden konnten. Die Auswertung ergab, dass direkt vor der meistbesuchten deutschen Nordseeinsel die größte Anzahl von Schweinswalen mit Jungen gezählt wurde. Durch eine Kampagne mit dem WWF erreichte die Schutzstation, dass in das Nationalparkgesetz eine besondere Walschutzzone vor Sylt aufgenommen wurde.

Der Baulärm des ersten deutschen Offshore-Windparks Alpha Ventus vor Borkum hat Schweinswale bis zu 20 km weit aus der Region vertrieben, wie Anfang Juni auf einer Tagung des Umweltministeriums in Hamburg berichtet wurde.  Außerdem schädigt Lärm das empfindliche Gehör der Tiere. „Wir fühlen uns durch die Erfahrungen bei diesem Bau bestätigt“, sagt Gaus. „Ohne das Walschutzgebiet hätte Sylt vielleicht längst einen Windpark vor der Tür und die Schweinswale wären verschwunden.“

Gaus fordert bei künftigen Windparks in der Nordsee eine genaue, vorherige Prüfung der Schweinwalsvorkommen. Der Einsatz von sogenannten Blasenvorhängen zur Verminderung der Schallwirkung auf die Tiere sollte unerlässlich sein. Es müssten aber auch weitere, besser wirksame Verfahren entwickelt werden.

Stichwort Walschutzgebiet vor Sylt:

Einrichtung: 1999
Größe: 1.200 Quadratkilometer
Einziges Walschutzgebiet in der Nordsee
Erlaubt: Baden, Surfen, Segeln, Tauchen, Boote (bis 12 Knoten), Küstenfischerei im bisherigen Umfang und Küstenschutzmaßnahmen
Verbot: Internationale Industriefischerei, Jet-Ski, Schiffe über 12 Knoten, Militäraktivitäten und Ressourcenausbeutung  

Weitere Infos:
http://www.schutzstation-wattenmeer.de/wissen/schutz/gegen-stoerungen/walschutzgebiet/

 

 

Unauffälliger Wattenmeer-Star: Schweinswal vor der Südspitze Sylts