Seehundpflege braucht Menschenverstand

Schutzstation unterstützt in S-H gültige Regelungen zum Umgang mit Seehunds-Heulern.

08.01.2010

Die Schutzstation Wattenmeer als betreuender Naturschutzverband im Nationalpark Wattenmeer unterstützt mit Nachdruck die in Schleswig-Holstein gültigen Regelungen zum Umgang mit Seehunds-Heulern.
"Die Arbeit der Seehundstation Friedrichskoog und auch der ehrenamtlichen Seehund-Beauftragten ist vorbildlich", betont Harald Förster, Geschäftsführer der Schutzstation Wattenmeer. "Es ist sehr bedauerlich, dass derzeit einzelne dogmatische Tierschützer versuchen, diese gute Arbeit mit Halbwahrheiten in Verruf zu bringen."

Allein im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches werden jeden Sommer über 2.000 junge Seehunde geboren. Davon stirbt etwa ein Drittel im ersten Jahr aus ganz natürlichen Gründen. "Wer nicht mit Bakterien, Parasiten und Schlechtwetter zurecht kommt, wird in der Natur aussortiert. Wir tun den Seehunden keinen Gefallen, wenn wir diese natürliche Selektion ausschalten und jedes kränkelnde Jungtier aufpäppeln", betont der Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer.

Die von einzelnen Tierschützern vorgebrachte Forderung, jeden jungen Seehund mit allen medizinisch möglichen Eingriffen am Leben zu erhalten, ist sowohl widernatürlich als auch teilweise mit Tierquälerei verbunden. "Ein schwaches Jungtier, das im Freiland bald verstorben wäre, über Wochen mit Medikamenten vollzupumpen, um es dann doch töten zu müssen, weil es nicht gesund wird, ist kein Tierschutz", betont die Meeressäuger-Expertin Silvia Gaus von der Schutzstation Wattenmeer.

Zum Umgang mit jungen Robben gehen die Sichtweisen im internationalen Wattenmeer weit auseinander. Während in den Niederlanden systematisch alle Jungrobben von den Stränden und Sandbänken gesammelt und mit teils hohem medizinischem Aufwand in einer privatwirtschaftlichen Station aufgepäppelt werden, werden in Dänemark alle verlassen aufgefundenen Robben getötet. Diese Vorgehensweise unterstützt sogar der Dänische Tierschutzverband.

Schleswig-Holstein hat eine über Jahrzehnte zwischen Natur- und Tierschutz und Jägern erarbeitete Zwischenposition: Gesund erscheinende Jungtiere versucht man in der Seehundstation Friedrichskoog aufzuziehen. Erkennbar kranke Jungtiere werden tierschutzgerecht getötet. Rainer Borcherding: " In Kanada werden jedes Jahr 250.000 Robben getötet, weil sie angeblich den Fischern die Fische wegfressen. Das ist wirklich ein Problem. Der Umgang mit Heulern bei uns ist gut geregelt und kein Problem. Gesunder Menschenverstand muss zum Tierschutz dazu gehören."