Seestern-Massenstrandung in Nordfriesland

07.01.2015

Zehntausende von Seesternen strandeten in den vergangenen Tagen auf Sylt. In Hörnum an der Südspitze von Sylt spülte eine einzige Flut auf wenigen hundert Metern Küste mehrere zehntausend Seesterne an. In St. Peter Ording lagen am Jahresende 2014 auch die zierlichen Schlangensterne massenhaft am Strand.

Hierzu der Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer: „Das ist ein seltenes, durch Stürme bedingtes Naturphänomen, das etwa alle zehn Jahre kleinräumig an der Nordseeküste auftritt. Es ist tragisch für die Tiere, denn sie vertrocknen alle oder werden von Möwen gefressen. Für die Seesterne ist es eine Mini-Naturkatastrophe.“

Seesterne und Seeigel sind langsame Bodentiere, die von starken Strömungen am Meeresboden „zusammengefegt“ werden und – wenn sie Pech haben – bei einer Strömungsänderung durch Flut und Wind an den Strand geworfen werden. Wie groß das Gebiet ist, aus dem die vielen tausend angespülten Tiere jeweils stammen, ist nicht bekannt.

Vergleichbare Seestern-Strandungen auf Sylt gab es im Oktober 1988 und im Juli 1998 sowie auf Skallingen in Dänemark im November 2010. In der wissenschaftlichen Literatur stammt der älteste Bericht über eine Seestern-Massenstrandung aus der Bretagne aus dem Jahr 1877.

Seesterne sind langlebige Bodentiere, die bis zu 50 Zentimeter Durchmesser erreichen und vermutlich 20 Jahre alt werden können. Da sie bei schlechter Ernährung auch wieder kleiner werden, gibt es keine genauen Angaben, wie schnell sie wirklich wachsen und wie alt sie werden. Sie sind sehr regenerationsfähig und können verlorene Arme – selbst wenn vier der fünf Arme fehlen – wieder nachbilden. Dies ermöglicht ihnen vermutlich auch in der intensiv mit Schleppnetzen befischten Nordsee ein Überleben. Erst mit 13 Zentimeter Durchmesser werden Seesterne geschlechtsreif. Die Eier und Samenzellen werden durch Öffnungen in den Armwinkeln abgegeben, wenn zwei Tiere zur Paarungszeit im Winter nahe nebeneinander sitzen.

Beobachtungen von Strandfunden und Informationen über die Nordseetiere bietet das Portal www.beachexplorer.org, wo Strandfunde aller Art gemeldet werden können.