Seltene Lachseeschwalben schützen

Intensive Betreuung der letzten Brutkolonie Nordwesteuropas

25.11.2011

Die Schutzstation Wattenmeer engagiert sich für die Rettung der letzten knapp über 40 Lachseeschwalben-Brutpaare in Nordwesteuropa. Die einzige Brutkolonie befand sich in diesem Jahr an der Elbmündung im Vorland des Neufelder Kooges in Dithmarschen, wo auch die größte Flussseeschwalbenkolonie des gesamten Wattenmeeres anzutreffen ist. Vor etwa 70 Jahren gab es noch bis zu 500 Brutpaare entlang der Nordseeküste, vor allem in Dänemark. Die nächsten Brutplätze der Art liegen in Südeuropa (z.B. in der Carmargue).

„Wegen der Brisanz der Lage haben wir die Lachseeschwalben während der Brutzeit von Mai bis Anfang August intensiv beobachtet, um die Kolonie vor menschlichen Störungen zu schützen und um herauszufinden, welche Faktoren den Bruterfolg beeinflussen. Dafür waren ständig zwei Mitarbeiter vor Ort und haben rund um die Uhr Augen und Ohren offen gehalten“, berichtet der Biologe Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer.

Wie notwendig der Einsatz ist, zeigten die Erfahrungen dieses Sommers. „Es kam mehrfach zu Störungen der brütenden Lachseeschwalben durch Menschen, die am Tag und sogar nachts in die Kolonie gingen und für erhebliche Unruhe sorgten“, sagt Naturschützer Günther. Aber auch Fuchs und Marder seien beim Erbeuten von Eiern und Jungvögeln beobachtet worden. Zu deren Abwehr sei die Kolonie mit einem Elektro-Weidezaun versehen worden.

Die 40 Brutpaare zogen in diesem Jahr weniger als zehn Jungtiere groß. „Selbst das ist ein Anfangserfolg“, sagt Günther. „Erreichen die Tiere das Erwachsenenalter, haben sie eine gute Chance, zum Brüten ins Wattenmeer zurückzukehren“, so der Ornithologe weiter. Besonders kritisch für die Lachseeschwalben sei nämlich die Zeit bis zum Flüggewerden.

Mehrere Naturschutzverbände und Institutionen arbeiten gemeinsam in dem vom Land Schleswig-Holstein unterstützten Artenschutzprogramm zusammen, um die selten gewordenen Seeschwalben am Nationalpark Wattenmeer zu erhalten. Die Fortsetzung dieses Schutzprogrammes im nächsten Jahr ist geplant.

Stichwort Lachseeschwalben:
Lachseeschwalben sind im Gegensatz zu ihren Verwandten keine Fischfans. Sie bevorzugen Regenwürmer, kleine Wollhandkrabben, Insekten, Frösche und Mäuse, die sie im niedrigen Suchflug entlang von Deichen, Wassergräben, Heiden und feuchten Grünlandgebieten im Binnenland erspähen. In den Wattgebieten Westafrikas, wo sie überwintern, ernähren sie sich vor allem von Winkerkrabben.