Seltener Leuchthering an Sylter Strand gespült

Seit Anfang Januar auffällige Zahl von Nordatlantikarten in der Nordsee

04.03.2016

Wenige Gramm wiegt ein Leuchthering, bis zu 60 Tonnen ein Pottwal. Trotzdem teilten im Februar beide Arten offenbar ein ähnliches Schicksal. Im Strandfunde-Internetportal beachexplorer.org meldete die Biologin Melanie Weppner den Fund dieses bis zu acht Zentimeter großen Fisches, auch Lachshering genannt, am Sylter Weststrand.

„Leuchtheringe leben eigentlich im offenen Atlantik in Tiefen von 150 bis 250 Metern“, erklärt Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer, der das Strandfundeportal betreut. Im Wattenmeer sei diese Art ein seltener Irrgast. Seinen Namen verdankt der Fisch mehreren Reihen von Leuchtorganen an seiner Unterseite. Diese könnten dazu dienen, ihn gegenüber der hellen Wasseroberfläche zu tarnen.

Eine besondere Bedeutung kann der Sylter Fund vor dem Hintergrund der auffälligen Häufung der Strandungen von Pottwalen, Orcas und Streifendelfinen in der südlichen Nordsee im Januar und Februar haben.

„Wenn neben dem seltenen Meeressäugern auch kleine Fische des offenen Ozeans im Wattenmeer auftauchen, kann dieses ein Indiz dafür sein, dass sich im Januar eine größere Zahl nordatlantischer Tierarten in die Nordsee ausgebreitet hat“, sagt Biologe Rainer Schulz. Kalmare, hinter denen möglicherweise die Pottwale her waren, könnten ihrerseits den Leuchtheringen auf der Spur gewesen sein.
Manches spräche dafür, dass die heftigen Stürme, die Anfang Januar zu Überschwemmungen auf den britischen Inseln und außergewöhnlich hohen Temperaturen in der Arktis führten, auch Atlantikwasser samt verschiedenster Fische und Wirbellose in die Nordsee gedrückt hätten, denen wiederum die Meeressäuger gefolgt seien.

Bei Wanderungen im und am Wattenmeer bittet die Schutzstation Wattenmeer darum, auf jeden Fall weiterhin auf unbekannt erscheinende Funde zu achten und diese möglichst samt Foto bei beachexplorer.org zu melden. „Selbst ein winziger, unscheinbarer Fisch kann für Forschung und Wissenschaft zu einem wichtigen Puzzlestein werden“, sagt Biologe Borcherding. Wer weiß, welche ungewöhnlichen Arten sich seit Anfang Januar noch in der Nordsee tummeln würden.

Aktualisierung:
Am 29.3.16 wurde am Hörnumer Strand ein weiterer angespülter Leuchtthering entdeckt. Dies spricht dafür, dass diese Tiere in größerer Zahl in die Nordsee gelangten.


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Leuchthering (Maurolicus muelleri) am Sylter Weststrand, Foto: Melanie Weppner