Station am Leuchtturm strahlt bis Hessen

Freiwillige motivieren neue Freiwillige

14.11.2019

Jan Weber ist ein Jahr Bundessprecher der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ). Den Anstoß für ein Freiwilligenjahr erhielt er im Weltnaturerbe Wattenmeer. Dort nahm er im Herbst 2010 an einer Wanderung mit einem der Freiwilligen unserer Station in Westerhever teil. Seither war für ihn klar: so etwas werde ich auch machen.

Während seines Freiwilligenjahrs am Senckenberg Institut im hessischen Gelnhausen traf sich Jan mit Frederik Rothe, dem FÖJler von damals, zu einen Gespräch. Hier einige Auszüge:

Jan: Im Urlaub war ich mit meinen Eltern oft an der Nordsee. Wir sind viel Fahrrad gefahren. Ein Anlaufpunkt war immer der Westerhever Leuchtturm.


F: Das war meine FÖJ-Einsatzstelle bei der Schutzstation Wattenmeer.


J: Eine Wattwanderung, einen Wattwurm mit der Wattforke ausgegraben, gehörte zu jedem Urlaub dazu. Das habt ihr im FÖJ oft gemacht?

F: Soo oft, aber jedes Mal war es anders. Für uns FÖJler wurde dabei die Veränderung des Watts, der Sandbank über das Jahr sichtbar.
 Die Sandbank rutscht immer dichter an den Leuchtturm heran.


J: Ich hatte als Kind Angst vor Schlicklöchern!

F: Respekt ist wichtig, man darf die Nordsee nicht unterschätzen.


J: Am tollsten sind der Wind und der besondere Duft. Das ist Urlaub!


F: Und nach einem ganzen Jahr ist das Heimat.
 Das Besondere am Turm ist dann, wenn zur Abendbrotzeit mit einem Schlag die Leute weg sind. Die ganze Fläche ist leer und nur noch der Wind und die Vögel sind zu hören.

Das Leben in der WG war ein Sprung ins kalte Wasser.
 Wir waren zu viert und wir haben alles selber organisiert. Das war das Schöne am FÖJ: Welche Führungen haben wir wann, wann fahren wir einkaufen, welche Seminar-Gruppen kommen?

J: Ihr habt das wirklich alleine gemacht?


F: Ja klar. Alle zwei Wochen kamen unsere Betreuer und fragten: Alles OK, was gab es für Probleme, laufen die Führungen, war wieder ein Filmteam, wo es nicht hin darf, müssen die Bollerwagen repariert werden?


J: Ich erinnere mich an eine Überflutung des ganzen Vorlands.


F: Das war das Highlight, Landunter und nur die Leuchtturmwarft schaut raus!


J: Auf einer Salzwiesenwanderung habe ich einen FÖJler erlebt,
 und wie heißt noch diese Pflanze die man essen kann?


F: Queller


J: Ich fand das total spannend mit dem FÖJ, ein ganzes Jahr an der Nordsee, das wollte ich auch machen. Das FÖJ war für mich immer ein Nordsee-Traum.


F: Und hast du dich beworben?


J: Als es aufs Abi zuging und konkreter wurde, war es dann doch anders.
 Mit einer Beziehung in Wiesbaden wollte ich nicht so weit weg. Ich kam zu dem Schluss, Nordsee ist richtig cool, aber ich habe mir das klein geredet: Wird bestimmt langweilig jeden Tag Wattführungen...
 Macht ihr das denn im Winter auch?


F: Da kommen dann noch Vogelzählungen und Monitorings dazu und es wird einfach ein bisschen ruhiger. Aber jetzt erzähl von dir, vom Senckenberg Institut.

J: Was ich im meinem FÖJ mache: Ich bekomme DNA-Proben von Wölfen, Luchsen, Fischottern ins Labor zugeschickt. Auftraggeber sind die Bundesländer. Die Proben werden analysiert und mit der Datenbank abgeglichen. Die Losungsproben werden eingefroren, Haarproben werden trocken gelagert. Im Labor können wir FÖJler bei der DNA-Extraktion mithelfen. Das kann auch echt stinken (wer schon mal in deinen Hundehaufen getreten ist, weiß...). Bei Haarproben zum Beispiel Wildkatzenhaaren, muss man aufpassen, dass nichts wegfliegt oder kontaminiert wird.
 Wir haben immer Einmalhandschuhe und Kittel an. Es ist manchmal nicht leicht, die Balance zwischen Nachhaltigkeit, Müllvermeidung und Naturschutz-Forschung zu finden. Manchmal fahren wir auch mit raus, um Proben zu nehmen. Es werden Wasserproben genommen, um nach der Filtration an der DNA festzustellen, welche Tiere in dem Gewässer leben.


F: Toll, wenn es so abwechslungsreich ist und nicht nur jeden Tag Daten in den Computer gehämmert werden müssen.
 Das Freiwillige Jahr soll einen begeistern! Das ist das Wichtige am FÖJ. 
Ich freue mich, dass immer wieder junge Leute nachkommen, die diesen Umweltgedanken leben, die Bock auf Naturschutz haben. Wie toll, dass wer fragt, müssen wir im Institut so viel Müll produzieren? Vielleicht kommt einer dabei auf die Idee, dass man es ganz anderes machen kann. Es sollen so viele Ideen wie möglich zusammen kommen.


J: Deswegen finde ich die Seminare so klasse. Wenn engagierte Leute zusammen sind, die sich austauschen können über Lebensweisen, Nachhaltigkeit und Naturschutzthemen. Und dass wir uns dort ökologisch bilden können.
 Ein anderer FÖJ-Aspekt, den ich als Sprecher jetzt kennen lerne, ist das politische Engagement. Das FÖJ ist auch ein politisches Bildungsjahr. Spannend, wo überall ich jetzt schon fast ein ganzes Jahr aktiv werden konnte.
 Wie war das für dich als dein FÖJ zu Ende war, trauerst du dem Jahr nach?


F: Ich hatte ein lachendes und ein weinendes Auge. Das FÖJ war sehr besonders und prägend, aber das Studium hat mich gereizt, und die Arbeit im Labor und draußen erfüllt mich jetzt auch.
 Ich bin aber immer noch jedes Jahr in meiner zweiten Heimat an der Nordsee, interessiere mich wie das neue Team am Turm läuft.
 Es ist ganz schön schwer, die einzelnen FÖJ-Stellen zu vergleichen. Selbst an der Nordseeküste sind die Stellen so unterschiedlich wie z.B. St. Peter Ording und Westerhever.


J: Bei uns in Hessen gibt es auch ganz unterschiedliche Stellen. Auch welche mit vielen Führungen und Veranstaltungen z. B. am Edersee, in der Forschung wie bei mir im Senckenberg und Waldkindergärten oder viele Stellen im Bereich von Biohöfen.
Das ist auch ganz wichtig, um auf Ernährungsthemen aufmerksam zu machen. Daher waren wir auch auf der "Wir haben es satt Demo" in Berlin. Als FÖJ durften wir ganz vorne laufen!


F: Und jetzt die böse Frage: Was machst du nach dem FÖJ, obwohl du gar nicht möchtest, dass es zu Ende geht?


J: Ich möchte in die Forschung gehen. Vermutlich studiere ich Physik.
 Und was genau machst du jetzt hier in Berlin?


F: Ich bin Entomologe, ich forsche an Wildbienen. Beim DNA bar-coding bestimme ich Wildbienen über die DNA und kann so auch in Sammlungen nachweisen, welche Tiere zu einer Art gehören, oder eben nicht, obwohl sie gleich aussehen.


J: Das Verfahren funktioniert wie bei uns mit den DNA-Proben, mit dem Marker-System. Allerdings geht es dabei um die Individuen, also welches Tier ist es, die Art ist vorher klar.

F: Da entwickelt sich gerade ganz viel, es ist viel Potential da, nur leider interessieren sich nur wenige Leute für Insekten oder Spinnen und wollen sich auf diese Arten spezialisieren.

Vielen Dank an Freddy und Jan für diese interessanten Einblicke!

Im Herbst 2010 war Jan Weber im Familienurlaub am Leuchtturm Westerhever.

Dort machte er mit dem FÖJler Frederik Rothe eine Wanderung, die ihn nachhaltig beeindruckte und letztlich dazu führte,...

... dass er knapp 10 Jahre später selber ein Freiwilliges Ökologisches Jahr machte.

Frederik und Jan 2019 beim Gespräch in Berlin.