St.Peter-Ording: Lichtblick für den Lungen-Enzian

Freiwillige der Schutzstation Wattenmeer helfen seltenen Dünenpflanzen

04.03.2016

FÖJlerInnen und BFDlerInnen der Schutzstation Wattenmeer beim Entfernen von Bergkiefern- und Moorbirkenaufwuchs

Langsam wächst der Gestrüpp-Haufen in die Höhe, den die Helfer der Schutzstation Wattenmeer an diesem Nachmittag in einem feuchten Dünental in St.Peter-Ording zusammentragen. Mit Sägen und Astscheren entfernen die fünf Freiwilligen Kiefern, Birken und testweise auch einige Grauerlen, die sich durch Samenflug angesiedelt haben oder in den 1960er Jahren gepflanzt wurden.

„Wir wollen niedrigwüchsigen und lichtbedürftigen Moorpflanzen wie Glockenheide, Lungenenzian und Moor-Ährenlilie wieder bessere Chancen in den Dünen geben“, erläutert Stationsleitern und Biologin Sabine Gettner, die die Arbeiten in diesem Gebiet koordiniert.

In den Nordseedünen sorgt normalerweise der ständig wehende Wind zusammen mit Sand und Salz dafür, dass Bäume kaum Fuß fassen können und Kniehöhe nur selten überschreiten. In St.Peter-Ording hat der Mensch wie in vielen anderen Küstendünen eingegriffen und die natürliche Dynamik durch Eindeichung und Schutzpflanzungen unterbrochen. Gehölze drohen die Dünenvegetation zu überwachsen und ihnen das notwendige Licht zu nehmen.

„Wir haben seit 2012 gute Erfolge erzielen können“, freut sich Biologin Gettner: Gelbe Ährenlilien überziehen großflächig das feuchte Dünental im Sommer mit ihrem gelben Blütenteppich. Sie hofft, dass sich durch die Maßnahmen irgendwann auch der Lungenenzian-Ameisenbläuling in dem Tal ansiedeln könnte. Die Raupen dieses kleinen blauen Falters leben nur auf dem stark gefährdeten Lungenenzian. Als eine Art Kuckuck unter den Schmetterlingen lassen sich die älteren Raupen von Ameisen in deren Bau verschleppen und bis zu ihrer Verpuppung durchfüttern.

Alle Arbeiten in dem Gebiet finden in Absprache mit der Eigentümerin der Düne, der Gemeinde St.Peter-Ording, dem Kreis Nordfriesland, der Forstbehörde und dem Landesamt für Umwelt statt. Spaziergänger informiert seit vier Jahren auch ein Schild über den Sinn der Arbeiten. Eines ist sicher: Moorbirken und Erlen sind hart im Nehmen und neigen zu Stockausschlägen. Deshalb wird den Naturschützern auch in den nächsten Jahren die Arbeit in den Dünen nicht ausgehen.