Strenger Frost sorgt für Vogeltod im Wattenmeer

08.02.2012

 

Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer haben Dutzende erfrorene Watvögel an den Stränden im Nationalpark Wattenmeer gefunden. Die Tiere haben die letzten sehr kalten Nächte mit Tiefsttemperaturen unter minus 15 Grad leider nicht überlebt.

„Das war ein sehr trauriger Anblick, der sich uns beim gestrigen Kontrollgang am westlichen Büsumer Deich bot. Auf dem nur etwa zwei Kilometer langen Küstenabschnitt haben wir 91 tote Vögel gefunden“, sagt Bastian Borchardt, der seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Schutzstation Wattenmeer absolviert. Am schlimmsten hat es mit 70 Opfern die Austernfischer erwischt, aber auch Alpenstrandläufer und Rotschenkel waren unter den frisch verendeten Tieren. Auf Sylt meldete das Schutzstation-Netzwerk vor allem auf der Westseite der Insel etliche tote Knutts, Alpenstrandläufer und Rotschenkel.
  
„Wahrscheinlich haben die Watvögel im fast völlig vereisten Wattenmeer keine Nahrung mehr gefunden und sind deshalb verhungert“, sagt Diplom-Biologe Klaus Günther, Vogelexperte der Schutzstation Wattenmeer. So viele Todfunde seien trotz Kälte aber eher ungewöhnlich, weil diese bei uns normalen Wintergäste im Wattenmeer auch solche starken Frostperioden locker überstehen sollten. „Vermutlich hatten aber viele der Vögel bereits zuvor schon zu geringe Fettreserven, weil sie vielleicht im Watt zu wenig Futter fanden“, so Günther weiter. Bei weiterem Anhalten der Frostperiode könnte es noch mehr Kälteopfer geben, befürchtet der Biologe. Strand-Spaziergänger bittet Günther daher um besondere Rücksichtnahme: „Bitte halten Sie zu rastenden Vögeln einen größeren Abstand ein, damit diese nicht unnötig aufgescheucht werden und viel Energie aufwänden müssen.”    

Die meisten Vögel haben haben mit Beginn der arktischen Kälte das Wattenmeer Richtung Südwesten verlassen, um mildere Küstenregionen in Westeuropa zu erreichen. Leider werden sie dort nicht überall willkommen geheißen, wie Günther zu berichten weiß: „In Frankreich werden Watvögel wie Austernfischer und Große Brachvögel an der Küste immer noch bejagt, was ein Skandal ist“, so der Biologe. Die hohen Winterverluste könnten die negativen Entwicklungen einiger Watvogelbestände im Nationalpark weiter verschärfen. Die Rast- und Brutbestände der Austernfischer im Wattenmeer haben allein in den letzten 20 Jahren bereits um 50 Prozent abgenommen. „Daher muss die Jagd auf Watvögel in Frankreich ein Ende haben und die Zugvögel entlang ihres gesamten Zugweges den gleichen Schutz genießen“, fordert Günther.

Verendete Watvögel am Rantumer Strand auf Sylt Foto: Lothar Koch