Super-Seltenheiten in Sylter Dünen

Schutzstation Wattenmeer entdeckt seltene Pflanzenart auf Sylt

03.08.2002

Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer entdeckten bei botanischen Streifzügen auf Sylt eine in Schleswig-Holstein noch nie gefundene Pflanzenart: das Sumpf-Johanniskraut (Hypericon helodes). "Das ist schon eine kleine naturkundliche Sensation" meint Rainer Borcherding, "Chef-Botaniker" bei der Naturschutzgesellschaft. Er entdeckte die Rarität, die bislang nicht in Schleswig-Holstein nachgewiesen war, in einem Dünentümpel bei Hörnum. Die kleine gelb blühende Pflanze unterscheidet sich von der bekannten Heilpflanze "Echtes Johanniskraut" vor allem durch ihre Größe und die rundliche Form ihrer Blätter und der auffälligen Behaarung.

Die Schutzwürdigkeit der sylter Dünen wird auch durch die Vielzahl der seltenen Pflanzen deutlich. Von den etwa 200 Wildpflanzen, die die Schutzstation Wattenmeer allein bei Hörnum ausgemacht hat, stehen über 40 auf der "Roten Liste" der gefährdeten Arten. Wer offenen Auges die offiziellen Wanderwege durch die Dünen nutzt, kann dort derzeit eine Vielzahl von bunten Blumen und erstaunlichen Tieren entdecken. Die feuchten Dünentäler leuchten rosa von den Blüten der Glockenheide (Erica), und im dichten Grün der Krähenbeerheide beginnt auch die violette Besenheide zu blühen. Die schwarzen Krähenbeeren werden Tag für Tag weniger, denn Stare, Möwen und die scheuen Regenbrachvögel ernten die Wildfrüchte mit Vorliebe. Eine besondere Rarität, die momentan ebenfalls in den Dünen auf Futtersuche anzutreffen ist, ist die Lachseeschwalbe. Die vom Aussterben bedrohte Vogelart unterscheidet sich von den anderen weißen Seeschwalben, die ausschließlich fischend über dem Meer anzutreffen sind, durch ihren völlig schwarzen Schnabel und durch ihre Ernährungsweise: sie frisst am liebsten Eidechsen! Einige wenige Altvögel mit ihren Jungen patroullieren derzeit im Suchflug über die Insel und suchen Mooreidechsen in der Dünenheide. Ab und zu erheben die Möwen sich nachmittags wie auf Kommando in die Luft, um in großen kreisenden Schwärmen "saure Drops" zu jagen: schwärmende Ameisenvölker sind nach dem wochenlangen Regen nun fast täglich zum Hochzeitsflug in der Luft. Die Möwen bemerken dies sofort und jagen die fliegenden Ameisenköniginnen und deren Gatten. Diese sind jedoch so zahlreich, dass auch nach der Luftschlacht noch auf jedem Quadratmeter Dünen mehrere Königinnen zur Nistplatzsuche landen. Dies lockt die Kreuzkröten auf den Plan, die die nahrhaften Ameisen aus bis zu 30 cm Entfernung entdecken. Dieser Tage wurde bei Puan Klent eine 6 cm große Kreuzkröte beobachtet, die in nur 5 Minuten 18 Ameisenköniginnen verzehrte! Danach konnte sie kaum noch laufen.

Kreuzkröten und Moorfrösche hatten wegen des regenreichen Sommers besonders viel Nachwuchs.Die in den feuchten Dünentälern zahlreich umherstreifenden Amphibien bewegen sich jedoch sehr unscheinbar und werden oft übersehen. Auffälliger sind die auf den Wegen umherkriechenden haarigen Raupen des Brombeerspinners. Dieser Nachtfalter ist diesen Sommer besonders häufig, und überall kann man die braunen, fein gelb geringelten Pelztierchen auf der Futtersuche umherkriechen sehen.

Einen Eindblick in die Besonderheiten der Sylter Dünennatur bekommt man auf den naturkundlichen Führungen der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum.