Walschutzgebiet soll Wale schützen

Gemeinsame Presseinformation von Schutzstation Wattenmeer und WWF: Walschutzgebiet vor Sylt schützt kleine Nordseewale immer noch nicht WWF und Schutzstation Wattenmeer ziehen gemeinsam in den "Walkampf"

22.07.2002

Knapp drei Jahre nach der Einrichtung des ersten deutschen Walschutzgebietes in der Nordsee ziehen WWF und Schutzstation Wattenmeer eine enttäuschende Bilanz: Bislang steht der Schweinswalschutz nur auf dem Papier, denn nicht einmal die Fischerei mit Stellnetzen, die größte Bedrohung für die kleinen Schweinswale, ist dort bislang verboten.

Jährlich ertrinken allein in der zentralen und südlichen Nordsee rund 7500 Schweinswale in Fischernetzen - zumindest im Walschutzgebiet sollten sie davor sicher sein. WWF und Schutzstation Wattenmeer fordern deshalb die europaweite Anerkennung des Walschutzgebietes und eine Fischerei ohne Wal-Opfer.

Viel Anerkennung erntete die schleswig-holsteinische Landesregierung 1999, als sie den Nationalpark Wattenmeer um ein Walschutzgebiet vor den Inseln Sylt und Amrum erweiterte und damit eine euro-päische Vorreiterrolle im Kleinwalschutz einnahm. Auf immerhin 1240 Quadratkilometern sollte der Schutz der einzigen heimischen Walart künftig Vorrang haben.

"Doch auch nach fast drei Jahren Walschutzgebiet ist hier kein Wal sicher", so Lothar Koch, Sprecher der Schutzstation Wattenmeer: "Fischer aus den Nachbarstaaten dürfen immer noch Stellnetze ausbringen, denn bislang haben Land und Bund nicht die Anerkennung des Schutzgebietes durch die Europäische Union erwirkt".

Dies ist erforderlich, da die EU-Kommission für Fischereiregelungen in der Nordsee zuständig ist. Ohne Übernahme in das europäische Regelwerk haben die schleswig-holsteinischen Maßnahmen deshalb nur Auswirkungen auf deutsche Fischer. Von denen wird Stellnetzfischerei in der Nordsee aber gar nicht ausgeübt, der größte Teil des Schweinswalbeifangs geht auf das Konto ihrer dänischen Kollegen.

Schutzstation Wattenmeer und WWF nehmen die "bürokratische Walschlappe" nun zum Anlass für eine breit angelegten Urlauberinformation an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. In zahlreichen Infozentren werden ab jetzt unterschriebene Aktionspostkarten in "Walurnen" gesammelt. Sie sollen bei der Landesregierung, bei Bundesfischereiministerin Renate Künast, bei Bundesumweltminister Jürgen Trittin sowie bei der EU-Kommission Druck für einen wirksamen Walschutz machen.

Darüber hinaus engagiert sich der WWF in diesem Jahr stark für eine generelle Neuausrichtung der Fischereipolitik, bei der Überfischung und Beifänge abgebaut werden. "Die derzeitige Reform der europäischen Fischereipolitik bietet die Gelegenheit, die Fischerei umweltverträglich zu gestalten.

Durch klare Regelungen zur Reduzierung des Beifangs können viele Schweinswale gerettet werden", sagte Hans-Ulrich Rösner vom WWF. Jüngste Vorschläge von EU-Kommissar Franz Fischler gehen in die richtige Richtung. Sie müssen nun jedoch auch bei den Regierungen der Mitgliedsstaaten durchgesetzt werden.