Wo und wie Kitesurfen im Wattenmeer?

Diskussionspapier von SCHUTZSTATION WATTENMEER und WWF

28.01.2016

Die Herausforderung

Kitesurfen kann im Wattenmeer deutlich stärker als andere Wassersportarten mit dem Vogelschutz in Konflikt geraten. Einer der Gründe ist, dass auch in sehr flachem Wasser in der Nähe der Brut- und Rastgebiete gekitet wird. Durch die hoch fliegenden Drachen hat das Kitesurfen eine erhebliche Scheuchwirkung auf Vögel. Kiter können zudem an teils empfindlichen Stellen ins Wasser gelangen, wo andere Wassersportler nicht hinkommen. Dies alles passiert wegen der wachsenden Popularität des Kitesurfens auch immer öfter. Es besteht also Handlungsbedarf, denn das gesamte deutsche Wattenmeer ist seit langem durch Nationalparks geschützt und seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe.

Kitesurfer sind für uns aber keine Gegner der Natur, sondern Menschen, die sich gerne in der Natur aufhalten und ihren Sport dort ausüben wollen. Im Wattenmeer müssen sie sich aber wie alle anderen auch am gesetzlichen Schutzanspruch dieses einzigartigen Naturraumes orientieren. Kitesurfen sollte deshalb in Zukunft in Partnerschaft mit den Wattenmeer-Nationalparks stattfinden.

Wattenmeer ist Drehscheibe für den Vogelzug

Das Wattenmeer an der Nordseeküste ist von überragender Bedeutung für den Vogelschutz. Insgesamt nutzen mehr als 10 Millionen Wat- und Wasservögel das Gebiet im Laufe des Jahres. Für sie ist das Wattenmeer die zentrale Raststätte auf dem Zug. Die Vögel erholen sich hier, fressen sich Fettvorräte für den Zug an oder wechseln die Federn. Viele brüten hier auch. Bei alldem sind die Vögel darauf angewiesen, möglichst wenig gestört zu werden.

Kitesurfen und Naturschutz sind bei respektvollem Umgang miteinander vereinbar

Kitesurfen ist eine Sportart in der Natur, die auf die Natur angewiesen ist. Einen respektvollen Umgang vorausgesetzt, sind Kitesurfen und Naturschutz miteinander vereinbar. Es kann auch in bestimmten Schutzgebieten gekitet werden. Hierzu sind aber Regeln für das Kitesurfen erforderlich. Aufgrund der angestrebten Neuregelung der Befahrensregelung des Bundes für die Wattenmeer-Nationalparks ist die Diskussion derzeit besonders intensiv.

Der Lösungsvorschlag

Das Kitesurfen kann am besten über die Befahrensregelung des Bundes für die Wattenmeer-Nationalparks geregelt werden. In ausgewiesenen Gebieten, die zwischen den Nationalparkverwaltungen, den Gemeinden, Kitesurfern und Naturschutzverbänden abgestimmt sind, sollte das Kitesurfen weiterhin erlaubt sein. Außerhalb dieser Gebiete sollte das Kitesurfen im Nationalpark Wattenmeer untersagt sein. Die Naturwerte wären so besser und entsprechend des gesetzlichen Schutzanspruchs geschützt, doch zugleich würde dieser Sport weiter ermöglicht.

Die entscheidende Frage ist: Wo genau liegen die Kite-Zonen? Sie dürfen nicht dort sein, wo rastende Vögel oder Robben oder brütende Vögel gestört werden. In kritischen Fällen muss ein ausreichender Abstand einhalten werden. Am unproblematischsten für die Natur sind Kitegebiete an den Seeseiten der Düneninseln. Es gibt aber auch viele geeignete Stellen an der Festlandküste.

In der Praxis ist eine Lösung dort schwierig, wo der Wunsch von Kitesurfern nach Flachwasserzonen und geschützten Stehrevieren damit kollidiert, dass diese Gebiete auch intensiv von den Vögeln genutzt werden. Über solche Orte muss, wie auch über alle anderen Kite-Zonen, miteinander gesprochen werden. Die Naturschutzverbände bringen dabei gerne ihre Fachkenntnis ein.