Brutvogelkartierung am Wattenmeer

Vom Deich und durch die Salzwiesen

Überall auf den Deichen am Festland sowie auf den Inseln und Halligen sind jetzt unsere Freiwilligen unterwegs, um die Brutvögel zu erfassen. Inzwischen läuft bereits der vierte Kartierdurchgang. Wurden bislang schon die Frühbrüter wie Kiebitze, Uferschnepfen oder Rotschenkel gezählt, kommen jetzt auch Austernfischer, Säbelschnäbler und erste Möwen hinzu.

Die einzelnen Durchgänge sollen jeweils innerhalb von fünf Tagen durchgeführt werden. Jede Vogelart wird bei zwei dieser Kartierungen erfasst. Es geht dabei nicht darum, Nester zu finden. Das wäre viel zu aufwändig und würde die Vögel stark stören. Außerdem kann es immer sein, dass Gelege gerade verloren gegangen sind. Daher werden stattdessen die “Revierpaare” erfasst, also Vögel deren Verhalten darauf hindeutet, dass sie ein Territorium besetzt haben und dieses auch gegen Artgenossen verteidigen.

Besonders anspruchsvoll ist die Zählung der Rotschenkel, denn sie sind durch ihre Tarnfärbung in den Salzwiesen kaum zu sehen. Allerdings attackieren sie oder zumindest der gerade nicht brütende Partner oft Greifvögel oder Möwen, die auf Nahrungssuche das Gebiet überfliegen. Dann kann man in der Karte vermerken, wo die einzelnen Vögel später wieder landen.

Eine große Hilfe ist dabei inzwischen der Einsatz von Tablet-Computern, mit denen man die Revierpaare direkt in ein Luftbild des Gebiets eintragen kann. Auch der eigene Standort wird dort wie bei einem Navigationssystem angezeigt. Das ist insbesondere in den besonders breiten Vorländern und auf den Halligflächen wichtig. Denn dort reicht die Beobachtung vom Deich nicht aus, sondern muss durch Gänge quer durch die Fläche ergänzt werden. Unsere Teams lernen dann ihre Betreuungsgebiete noch einmal besonders gut kennen. Nicht immer sind Wege, die ihre Vorgänger:innen im vorigen Jahr noch nutzen konnten, passierbar. Manchmal sind Priele tiefer geworden oder tiefe Schlicklöcher entstanden, so dass man notfalls neue Routen durch die Vorländer finden muss.  

Freiwillige blick durch Fernglas
Fernglas und das "Spektiv" sind bei der Brutvogelkartierung für Marlene und unsere anderen Freiwilligen unerlässlich.
Freiwillige blickt durch Fernrohr
Auf Hallig Hooge zählt Florentina soweit wie möglich vom etwas höheren Sommerdeich.
Rotschenkel sitzt auf Zaun
Die graubraunen Rotschenkel sind schwierig zu entdecken. Allerdings kann man sie manchmal gut auf Zäunen sitzen sehen, von denen sie ihr Revier überblicken.
Brütende Uferschnepfe
Mit etwas Glück kann man auch brütende Vögel, wie diese Uferschnepfe, direkt auf dem Nest sitzen sehen. Dann lässt man sie am besten einfach in Ruhe.
Gelege mit 4 gesprenkelten Eiern
Gerät man doch einmal an ein Nest, wie hier von einem Sandregenpfeifer, entfernt man sich schnell wieder, um die Störung gering zu halten.
Rufender Sandregenpfeifer
Für die Erfassung der Revierpaare reicht schon die Beobachtung, dass der Regenpfeifer warnt oder sein Revier gegen andere Vögel verteidigt.
Freiwillige notiert Daten in mobilem Computer
Außer der Optik sind die Tablets wichtig. Neele trägt hier gerade ein Revierpaar in der Gebietskarte ein.
Arbeit mit dem Tablet
Stück für Stück entsteht wie hier beim Rotschenkel das Gesamtbild. Später in der Station werden die Ergebnisse automatisch in unsere Datenbank übertragen.
Schafe ziehen an Vogelzähler vorbei
Am einfachsten ist die Brutvogelkartierung an schmalen Vorländern vom Seedeich aus. Hier muss man nur darauf achten, dass sich Schafe nicht am Fahrrad oder am Stativ des Fernrohrs "schubbern" wollen. Dann wäre das Arbeitsgerät schnell in Gefahr.
Freiwilige quer Graben
In den weiten Vorländern wie am Leuchtturm Westerhever werden die Vögel auch von den Wegen erfasst. Abgelegene Salzwiesen sind allerdings oft nur durch Sprünge über Gräben die die Durchquerung breiterer Priele erreichbar.