Kleiner Falter macht Probleme
Goldafter-Raupen auch an der Nordsee
Kaum größer als eine Zwei-Euro-Münze sorgt ein weißer Nachtfalter mit goldbraunem Hinterleib seit zwei Jahren für größere Aufmerksamkeit an der Westküste. Oder genauer gesagt, seine Raupen. Die Rede ist vom Goldafter, dessen Raupen an Gehölzen fressen und aus versponnenen Blättern ein dichtes Nest bilden, das sie vor Fressfeinden schützt und in dem sie auch überwintern.
Wie beim bekannten Eichenprozessionsspinner können die Brennhaare der Raupen Beschwerden auslösen, indem sie leicht abbrechen und durch den Wind verteilt werden. Meist bleibt es nach einem Hautkontakt nur bei einem Jucken oder Brennen, das nach kurzer Zeit wieder verfliegt. Einzelne Menschen reagieren jedoch heftiger, so dass auch Augen und Atemwege betroffen sein können. Raupen und Gespinste sollten deshalb nicht berührt werden.
Ihre Raupen fressen häufig auf Sand- oder Weißdornbüschen, in Schleswig-Holstein sind sie vor allem auf der invasiven Kartoffelrose zu finden. Haben sie im April das Gespinst verlassen, wachsen die Raupen bis Juni auf drei Zentimeter heran. Bei starkem Auftreten können einzelne Sträucher kahl gefressen werden. Im Juli und bis in den August hinein sind dann die Falter nachts unterwegs. Der Goldafter kommt seit langem in Deutschland vor und hat sich mit steigenden Temperaturen weiter nach Norden ausgebreitet. Nach einem ersten Auftreten auf Helgoland wurde er 2024 auf Sylt und ein Jahr später auch auf Amrum und Eiderstedt festgestellt.
Eine flächige Bekämpfung oder gar Ausrottung hält die Schutzstation weder für sinnvoll noch für möglich. Der Goldafter gehört zur heimischen Tierwelt. Schlupfwespen, Pilzkrankheiten und Vögel sorgen dafür, dass er nicht überhand nimmt. Örtlich können trotzdem Massenvermehrungen auftreten.
Der Einsatz von Mitteln aus der biologischen Schädlingsbekämpfung wie Bt (Bacillus thuringiensis) oder Nematoden würde viele andere Schmetterlinge töten, weil sie nicht artspezifisch wirken bzw. die Verfahren über das Laborstadium noch nicht hinaus sind.
Wo Menschen hingegen gefährdet sind, sollten möglichst im Winter die gut sichtbaren Nester entfernt und entsorgt werden. Das Absaugen der Raupen bleibt eine Notlösung, wenn dieser Zeitpunkt verpasst wurde. In Naturschutzgebieten und im Nationalpark Wattenmeer sollte während der Brut- und Setzzeit eine vorübergehende Wegsperrung Vorrang vor solch weitergehenden Maßnahmen haben.





