Muschelsterben im Wattenmeer

Mögliche Ursachen Hitzestress und Parasitenbefall

Im Bereich des nordfriesischen Wattenmeeres beobachten die Freiwilligen im Netzwerk der Schutzstation Wattenmeer derzeit ein Massensterben von Herzmuscheln. Rund um die Halbinsel Eiderstedt sind große Flächen mit toten oder sterbenden Tieren bedeckt. Tote Herzmuscheln werden aber auch von Pellworm, Süderoog und aus Friedrichskoog an der Elbmündung gemeldet. Verantwortlich sind nach Einschätzung von Biologen der Schutzstation Wattenmeer natürliche Vorgänge. Durch die hohen Temperaturen werden die im Wattboden lebenden Herzmuscheln veranlasst, an die Oberfläche zu kommen. Dort verbrennen sie quasi im starken Sonnenschein und sterben. Der Wattboden hatte sich durch die in den letzten Tagen in den Mittags- und Nachmittagsstunden liegenden Niedrigwassertermine besonders stark erwärmt. Die Sommerwärme ist aber wohl nur ein Grund für das Muschelsterben. Vermutlich ist ein Parasitenbefall in Kombination mit den hohen Temperaturen für das Phänomen verantwortlich.
Herzmuscheln werden mit steigendem Alter von immer mehr Saugwürmern befallen, die im Inneren der Muschel darauf lauern, in einen Vogeldarm zu gelangen, ihren eigentlichen Wohnort. Eine abschließende Aussage zu den Ursachen für das Sterben lässt sich dennoch nicht geben. Es gibt es kaum wissenschaftliche Untersuchungen zu den Faktoren, die dafür verantwortlich sind. 

Trotz der großen Verluste ist der Herzmuschelbestand nicht bedroht. Es kann regelmäßig auch im Winter zu einem großflächigen Muschelsterben kommen. Das gleichen die Tiere durch ihre enorme Vermehrungsfähigkeit normalerweise wieder aus.

Schutzstation-Mitarbeiter dokumentieren im Rahmen der gerade stattfindenden Wattkartierungen den Tierbestand im Boden und nehmen Muschelproben. Wattwanderer können ihre Herzmuschelfunde im Strandfundeportal BeachExplorer.org melden und Fotos hochladen.

Zahlreiche Herzmuscheln liegen geöffnet frisch tot oder sterbend am Strand Foto: Rainer Schulz, Schutzstation Wattenmeer
Vor St.Peter-Ording: Das normalerweise graubraune Mischwatt ist teilweise weiß von abgestorbenen Herzmuschelfeldern Foto: Rainer Schulz, Schutzstation Wattenmeer