Überleben in der Kälte
Die Überwinterungstricks der Insekten
Zum Nationalpark-Themenjahr “Insekten” erläutern wir im März, wie Insekten die Winterkälte überstehen.
Insekten sind wechselwarme Lebewesen und brauchen in Klimazonen mit Frost ganz besondere Anpassungen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Das gilt für das Verhalten, beispielsweise das Aufsuchen guter Verstecke, aber auch für ihren Stoffwechsel, der den Körper frosthart machen muss. Bei jeder Insektenart ist genetisch festgelegt und wird hormonell gesteuert, wie der Stoffwechsel zur Überwinterung herunter geregelt wird. Oft sind Tageslänge und Temperatur die Signale, die einen Käfer oder eine Raupe veranlassen, sich im Boden zu verbuddeln und schlafen zu gehen. An der Küste ist es oft sicherer, den Überflutungsbereich zu verlassen und sich im Dünensand zu verkrümeln.
Die größte körperliche Herausforderung für überwinternde Insekten ist die Vermeidung einer tödlichen Eisbildung in den Körperzellen. Da Eis ein größeres Volumen hat als Wasser, würden gefrierende Eiskristalle die Körperzellen zersprengen. Gegen solche Frostschäden im Gewebe nutzen Insekten zwei Hauptstrategien. Manche Arten sind frosttolerant, das heißt sie lassen ihr Blut (Hämolymphe) kontrolliert gefrieren, schützen aber die Zellen des Körpergewebes. Häufiger und vermutlich sicherer ist die Technik des Supercooling, also der Vermeidung von Eisbildung. Durch Anreicherung von Frostschutzmitteln im Körpergewebe wird der Gefrierpunkt der Körperflüssigkeiten vor der Überwinterung weit abgesenkt. Glycerin oder Sorbitol sind natürliche und in den Körperzellen unschädliche Frostschutzmittel, die den Gefrierpunkt auf bis zu −40° C senken können. So bleibt der Insektenkörper auch bei tiefen Minustemperaturen ohne Vereisungsschäden. Träumen kann ein Käfer im Winterschlaf vermutlich nicht, denn seine Lebensfunktionen sind bei Frost gaaaanz gaaaanz laaaangsam.
Um sich nicht unnötiger Kälte, Nässe oder Wind auszusetzen, suchen Insekten sich geeignete Winterverstecke, die ihnen Schutz vor den ärgsten Witterungseinflüssen bieten. Viele Insekten, aber auch ihre Eier, Larven oder Puppen überwintern in Erdverstecken, unter Laub oder in Moospolstern. Hier herrschen stabilere, höhere Temperaturen als an der Oberfläche. Auch Totholz und Baumstümpfe bieten zahlreichen Insektenarten, insbesondere Käfern, eine isolierende Zuflucht. Schmetterlinge überwintern oft im Ei- oder Puppenstadium in Pflanzenstängeln, in Baumrindenrissen oder in selbst gesponnenen Kokons. Auch menschliche Bauwerke mit beheizten Mauerritzen oder frostfreien Kellern und Dachböden sind für einige Insektenarten attraktiv. Bienen-Schwebfliegen und manche Marienkäfer suchen gerne in Fensterfugen Schutz. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Zackeneule sind Schmetterlinge, die gerne in Kellern überwintern. Sie wählen die dunkelsten Ecken, damit hungrige Meisen sie nicht im Winterschlaf erbeuten. An den ersten Frühlingstagen im März brauchen sie dann oft menschliche Befreier, wenn ihr Rückweg zum Licht an einer Fensterscheibe endet. Sobald der erste Zitronenfalter vorbei flattert, der ganz frosthart in einer Efeuhecke überwintert hat, wird es Zeit, die Dachboden- und Kellerfenster zu kontrollieren, um Wintergäste in den Frühling zu entlassen.






