Vor 50 Jahren: Orkanflut am 3.1.1976
Aktuelle Landunter erinnern an historische Flut
Gestern Mittag und heute Nacht erlebten unsere Freiwilligen wieder eine kleine Sturmflut. So war gestern die Station am Leuchtturm Westerhever vom Festland abgeschnitten. Auch große Teile von Hallig Langeneß standen unter Wasser. Die Flut in der vergangenen Nacht lief mit 1,5 bis 2 Metern über Normal noch einmal etwas höher auf, so dass auch Hallig Hooge überspült wurde. Diese Hochwasser sind nun in den Stationstagebüchern bzw. unserer Gebietsbetreuungsdatenbank WANDA vermerkt. Mehr Aufmerksamkeit werden sie allerdings wohl nicht auslösen.
Ganz anders sah es jedoch vor 50 Jahren am 3.1.1976 aus. Damals fegte mit “Capella” einer der stärksten Orkane seit Menschengedenken über Mitteleuropa hinweg und löste eine Sturmflut aus, die auch die Pegelstände der “Jahrhundertflut” vom 16./17.2.1962 noch übertraf. An manchen Orten sind die Fluthöhen von 1976 bis heute nicht wieder erreicht worden.
Im heutigen Nationalpark-Seminarhaus am Leuchtturm Westerhever lebte damals noch der Leuchtfeuerwärter Hein Geertsen. Obwohl die Warft nach 1962 rund um die Häuser erhöht worden war, drang das Wasser nun in das Erdgeschoss des Leuchtturms ein und flutete die dortige Trinkwasserzisterne. Bei den Häusern gelangten die Wellen in die Eingangsbereiche, erreichten aber nicht die zwei Stufen höher liegenden Erdgeschosse. Allerdings gaben zuvor bereits die auf Warfthöhe liegenden Kellerfenster nach, so dass die Keller samt Heizung komplett vollliefen.
Auf der Warft gelagertes Holz geriet ins Rutschen und trieb mit den Wellen hin und her. Immerhin blieben die Schäden am Warftkörper geringer als 1962, als der Keller des heutigen Seminarhauses teilweise freigespült wurde. Das Fundament an der Nordwestecke des Hauses hing damals sogar in der Luft. Im Frühjahr 1976 waren somit “nur” die Wasserversorgung und die Heizung wieder einzurichten und die nassen Gebäudebereiche trockenzulegen.
Schlimmer traf es auf den Halligen insbesondere die Bewohner der tiefer liegenden alten, teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden, Häuser. Peter Prokosch, unser erster Zivi auf Langeneß, berichtete später von der dramatischen Situation auf Hilligenley auf Langeneß. Schon morgens zur Niedrigwasserzeit schlugen die Wellen auf die Hallig. Der Bürgermeister warnte per Telefon, sich auf eine sehr schwere Sturmflut einzustellen. Mit einigen Freunden räumte Peter daher möglichst viel bewegliche und wichtige Dinge ins Obergeschoss und half den Nachbarn aus den tiefer liegenden Häusern. Einige Fotos zeigen, wie die Wellen über den Warftwall schlugen und schnell den Innenbereich mit dem Fething (Tränkwasserteich) sowie den tiefer liegenden Häusern überfluteten. Zum Glück hielt die Hauswand stand, als ein treibender Balken gegen sie schlug. Die kleine Holzhütte von Halgewarf, in der über Neujahr noch Gäste gewohnt hatten, trieb jedoch quer über die Hallig. Auch in den älteren Häusern ging viel an Einrichtung verloren.
Die Flut von 1976 ist eine Mahnung, sich weiter flexibel an die Veränderungen im Küstenraum anzupassen. Da die Pegel seither insgesamt angestiegen sind und mit der Erwärmung der Atmosphäre die Kraft von Extremereignissen weiter zunehmen wird, ist das Risiko noch höherer Fluten durchaus gegeben. Der Bau der aktuellen “Klimadeiche" vor Friedrichskoog bzw. am Eidersperrwerk oder von “Klimawarften” auf den Halligen mit Häusern, die einen Meter höher stehen als die aus den 1960er-Jahren, zeigen, dass der Küstenschutz sich der Probleme durchaus bewusst ist. Schwierig wird es allerdings an Orten, wie dem Leuchtturm Westerhever samt der denkmalgeschützten Häuser. Will man die Häuser effektiv vor Fluten schützen, müsste man sie mit einen hohen Ringdeich umgeben. Allerdings wäre dann das Gesamtbild der Gebäude ein völlig anderes. Eigentlich müsste man den Turm samt der Häuser anheben. Doch wer würde dafür die Mittel geben? Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass sich das gewohnte Bild vieler Halligwarften oder auch ikonischer Motive wie des Leuchtturms Westerhever deutlich ändern wird.
Über die Folgen der Flut von 1976 auf Hallig Hooge










