Klare Regeln für Kitesport im Nationalpark gefordert

16.10.2015

Kaum eine Wassersportart erfreut sich in den letzten zehn Jahren so großer Beliebtheit wie das Kitesurfen. Bis zu 50 Prozent pro Jahr wächst die Zahl der Menschen, die mit der Kombination aus Lenkdrachen und Surfbrett auch im Herbst und Winter auf dem Meer unterwegs sind. Im Nationalpark Wattenmeer kommen sie dabei in Konflikt mit Millionen Watvögeln.


„Zugvögel, die auf den Wattflächen nach Nahrung suchen, sind besonders anfällig für Störungen“, sagt Harald Förster, Geschäftsführer der Schutzstation Wattenmeer. Die Vögel hätten nur wenige Wochen Zeit, sich den notwendigen Treibstoff für den Weiterzug in die Überwinterungsgebiete anzufressen. „Ein einzelner Surfer kann mit seinem Drachen auch auf große Distanz eine Scheuchwirkung entfalten“, sagt Förster. Die Vögel seien dadurch gezwungen, immer wieder aufzufliegen und würden unnötig Energie verbrauchen, die sie eigentlich für ihren Weiterflug benötigen.


„Es muss endlich einen klaren gesetzlichen Rahmen für alle Wassersportler im Nationalpark geben“, fordert Förster. Das bisherige Wirrwarr aus Flächen, die bei Niedrigwasser nicht betreten werden dürfen, bei Hochwasser aber befahrbar sind und umgekehrt, müsse beendet werden.


Seit 1997 ist die deutschlandweit gültige Befahrensverordnung nicht mehr geändert worden. Damals gab es noch keine Kiter. „Wir brauchen klare Vorgaben, wo das Kiten erlaubt ist und wo die Natur Vorrang hat“, so der Geschäftsführer des Umweltverbandes und unterstützt die Initiative der Nationalparkverwaltung, das Surfen mit Lenkdrachen auf unkritische Flächen zu beschränken.


„Viele Kiter wissen gar nicht, in welch sensiblem Gebiet sie unterwegs sind“, sagt Dennis Schaper, Stationsleiter auf Sylt. Die Naturschutzorganisation setzt deshalb auf gezielte Information. „Wir führen intensive Gespräche mit Kiteschulen, um für den Naturschutz zu werben“, so Schaper. Dabei sei ihm viel Verständnis entgegengebracht worden, sehr empfindliche Gebiete mit dem Surfboard zu meiden. Besonders erfreulich sei der daraus entstandene intensive Dialog mit den Kitern, in den auch Tourismus, Gemeinden, Nationalparkverwaltung und Naturschutzverbände eingebunden seien. „Solche freiwilligen Vereinbarungen funktionieren aber leider nicht überall. Deshalb ist jetzt der Gesetzgeber gefordert“, sagt der Stationsleiter abschließend.

 

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Foto: Rainer Schulz, Schutzstation Wattenmeer