Neue „Rote Liste“ der Brutvögel in Deutschland

Bestandsrückgänge führen auch bei Küstenvögeln zu neuen Bewertungen

28.08.2016

Die Veränderungen der Vogelwelt im Nationalpark Wattenmeer und im angrenzenden Binnenland schlagen sich auch in der neuen „Roten Liste der Brutvögel Deutschlands“ nieder. So gelten bei den Seeschwalben neben Lach-, Zwerg- und Trauerseeschwalben jetzt auch die oft in großen Kolonien brütenden Brand- und Küstenseeschwalben als „Vom Aussterben bedroht“ (Kategorie 1). Lediglich die Flussseeschwalbe verbleibt in der Kategorie 2 („Stark gefährdet“).

Von den Brutvögeln der Salzwiesen bzw. des Grünlands binnendeichs ist der Rotschenkel von der Vorwarnliste („V“) in die  Kategorie 3 („Gefährdet“) und der Wiesenpieper von „V“ gleich in die Kategorie 2 gerutscht.

 

An der Westküste deutlich zunehmende Arten konnten hingegen jetzt (Blaukehlchen) oder schon 2007 (Wanderfalke, Seeadler) aus der Roten Liste gestrichen werden.

Allerdings ist deren Zuwachs teilweise auch mit Wermutstropfen verbunden. So brüten etwa auf Eiderstedt die Blaukehlchen an den zunehmend von Schilf gesäumten Gräben. Dieses Schilf, früher von Kühen und Ochsen meist kurz gehalten, macht es heute den letzten Trauerseeschwalben unmöglich, im Flug kleine Fischchen aus dem Wasser zu erbeuten. Der Bestand dieser besonderen Seeschwalbe nimmt daher weiter ab.
Und beim Seeadler wird die Wiederbesiedlung der Westküste immer wieder von Brutausfällen oder Vergiftungen von Tieren begleitet. So waren im Frühjahr 2015 alle 5 Dithmarscher Brutpaare erfolglos. Bei einem fielen die Altvögel samt beider Jungtiere einer Vergiftung zum Opfer.

 

Basis der Bestandsdaten der Brutvögel im Nationalpark Wattenmeer sind die jährlichen Brutvogelkartierungen, die überwiegend von den betreuenden Naturschutzverbänden und hier insbesondere von der Schutzstation Wattenmeer durchgeführt werden.
Zu den Betreuungsaufgaben im Nationalpark gehört auch die Umsetzung praktischer Schutzmaßnahmen wie die Kennzeichnung und die Kontrolle vieler Vogelbrutgebiete oder die Teilnahme an speziellen Artenschutzmaßnahmen wie für die Lachseeschwalbe.

Nicht nur die Küstenseeschwalbe gilt heute als "vom Aussterben bedroht".

Auch die Brandseeschwalbe fällt inzwischen in diese Kategorie.

Der Rotschenkel gilt als "gefährdet".