Sepiaschulp - Vielseitiger Krakenknochen

Nationalpark-Themenjahr "Muscheln & Schnecken"

30.10.2018

Die Herbststürme spülen oftmals eine besondere Sorte von Kalkschalen an den Strand, die außer für Naturkundler auch für Vogelhalter, Goldschmiede und Knochenchirurgen interessant ist. Die Rede ist von dem ovalen, bis zu 30 Zentimeter langen Rückenschulp der Sepia. Im Rücken der Sepia, die zu den Kopffüßern oder auch „Tintenfischen“ gehört, steckt diese leichte Kalkplatte, die den Körper stabilisiert. Vor allem aber ermöglicht der Schulp es den Tieren, schwerelos und ohne Kraftaufwand im Wasser zu schweben. Das schwammige Kalkgerüst des Schulps enthält nämlich Stickstoffgas, das wie die Schwimmblase der Fische einen Auftrieb erzeugt. Je nach gewünschter Schwimmtiefe kann die Sepia das Gasvolumen verändern, indem sie Körperflüssigkeit in den Schulp pumpt oder wieder heraus zieht. Der porenreiche Kalk ist so stabil, dass er den Druck der Wassersäule abfängt, der in 100 Metern Meerestiefe immerhin 10 Kilo pro Quadratzentimeter beträgt.

Nach dem Tod der Sepia, die an den felsigen Küsten Westeuropas noch recht häufig ist, kann der Schulp monatelang an der Meeresoberfläche schwimmen und mit Algen und Seepocken bewachsen. Da es im Wattenmeer derzeit praktisch keine Sepien gibt – vermutlich fehlen Verstecke, die sie vor Strömung und Schleppnetzen schützen – kommen die bei uns angespülten Schulpe alle aus Westeuropa. Oft haben sie Löcher, die Seevögel hineingepickt haben, um Kalk für ihr Knochenwachstum zu gewinnen. Im Zoofachhandel werden Schulpe für Käfigvögel angeboten, die ebenfalls gerne den weichen Kalk aufpicken.

Für Chirurgen ist der Kalk des Sepiaschulps interessant, weil daraus perfekte und kostengünstige Formteile zur Reparatur menschlicher Knochen hergestellt werden können. Durch Erhitzen lässt sich der feinporige Kalk des Schulps in eine Kalksorte umwandeln, die menschlicher Knochenmasse entspricht und die für maßgeschneiderte Prothesen verwendet werden kann.

Goldschmiede verwenden schon seit Jahrhunderten die hitzefesten Schulpe, um kleine Hohlformen für Ringe und Ohrringe daraus zu schnitzen. Flüssiges Edelmetall wird in die geschnitzte Form gegossen und behält nach dem Erkalten die gewünschte Form.

Neuerdings baut man aus Sepiakalk auch Mikrofilter gegen Schwermetalle, denn die winzigen Poren von etwa 0,1 Millimetern Größe halten Metallionen – beispielsweise überschüssiges Fluorid in Trinkwasser - gut fest.

Wer einen Schulp am Strand findet, kann eine feine Kalkschichtung sehen. Die Mikroporen zeigt erst eine starke Lupe oder ein Mikroskop. Da selten auch die etwas anders geformten Schulpe von kleinen südeuropäischen Sepia-Arten bis zu uns gespült werden, lohnt sich ein Blick in die Bestimmungshilfe von BeachExplorer.org

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Nach dem Tod der Sepia, die an den felsigen Küsten Westeuropas noch recht häufig ist, kann der Schulp monatelang an der Meeresoberfläche schwimmen.

Im Wattenmeer gibt es derzeit praktisch keine Sepien. Vermutlich fehlen Verstecke, die sie vor Strömung und Schleppnetzen schützen.