Verlorene Rarität: Der Lungenenzian-Ameisenbläuling

Tier des Monats September

Faszinierende Lebewesen mit unglaublich klingenden Lebensweisen gibt es nicht nur in tropischen Regenwäldern oder Korallenriffen. Wenig bekannt und stark gefährdet, in Nordfriesland sogar schon ausgestorben, ist der Lungenenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon). Das Falterweibchen legt seine Eier im Hochsommer an die Blüten des Lungenenzians, und die kleinen Räupchen knabbern sich durch den blauen Blütentrichter in den Fruchtknoten hinein. 

Ein Bläuling mit bizarrem Raupenleben

Maximal zwei Räupchen werden von den Samen einer Blüte satt. Sind die Samen verzehrt, bohren die Räupchen sich hinaus und lassen sich in die Tiefe fallen. Nun sondern sie einen Duft ab, der für Knotenameisen unwiderstehlich ist. Binnen weniger Stunden lockt der Duft eine Ameise herbei, die den fantastisch duftenden Fund vorsichtig zu ihren Schwestern ins Nest trägt. Dort umsorgen die Ameisen begeistert die betörend aromatische Raupe, die derweil reichlich Ameisenbrut frisst und sich nach 2 - 3 Wochen verpuppt. Bis zum nächsten Sommer ruht die Puppe im Ameisennest. Dann sucht der schlüpfende Falter - für 10 Minuten noch mit Duftresten geschützt - schleunigst den Weg ins Licht. Der um die Jahrtausendwende in Nordfriesland ausgestorbene Falter kann hoffentlich bald wieder angesiedelt werden, wenn die Enzianbestände gestärkt sind.

Kleiner hellblauer Schmetterling
Die männlichen Lungenenzian-Ameisenbläulinge sind prächtig hellblau gefärbt.
Kleiner graublauer Schmetterling
Die Weibchen wirken unscheinbarer.
Schmetterling auf Enzian
Weibchen bei der Eiablage auf Lungenenzian.