Ölförderung

Auch nach 40 Jahren Nationalpark und der Auszeichnung des Wattenmeers als Weltnaturerbe wird auf der Bohr- und Förderinsel „Mittelplate A“ vor Friedrichskoog Öl gefördert. Aus Sicht der Schutzstation Wattenmeer ist sie ein Schandfleck in dieser einmaligen Naturlandschaft. Daher setzen wir uns seit Jahren – auch vor Gericht - massiv dafür ein, die Erdölförderung zu beenden.

Ein kleine Chronik

1985 Einrichtung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Kurz zuvor wird allerdings noch die Genehmigung für den Bau und den Betrieb der Bohrinsel Mittelplate erteilt.

Die künstliche Öl-Insel zerstört das Bild der einzigartigen weiten Landschaft des Wattenmeeres. Lärm, Beleuchtung und Schiffsverkehr sind ständige Begleiter und belasten die Natur.

1987 Beginn der Ölförderung

1995 Verlegung eines Starkstromkabels durch das Watt zur Öl-Insel. Mehrfach freigespült sind immer wieder Sicherungsarbeiten nötig.

1996, 1997 und 2001: Seismische Untersuchungen – mit Knallkanonen werden weitere Öllagerstätten gesucht.

2005 Bau einer Pipeline nach Friedrichskoog. In diesem Jahr die größte Baustelle Schleswig-Holsteins – mitten im Nationalpark.

 

2007 RWE Dea meldet, dass seit Jahren ein Priel auf die Öl-Insel zuwandert. Zur Sicherung werden 85.000 Quadratmeter Watt und Priele mit Steinschüttungen überdeckt. Da hierfür keine behördliche Genehmigung vorliegt, reichen Schutzstation Wattenmeer und WWF vor dem Verwaltungsgericht eine Klage ein - leider erfolglos. Die eigentlich vorab erforderliche Genehmigung für die Befestigungen und die damit im Umfeld verbundenen Arbeiten erteilt das Landesbergamt erst Jahre später im Oktober 2011. 

2008 Verlegung zweier weiterer Starkstromkabel zur Insel.

2009 Die UNESCO zeichnet den Nationalpark als Weltnaturerbe aus – mit Ausnahme zweier „Exklaven“.

Ein peinlicher Kunstgriff, denn die Mittelplate sowie die geplanten Flächen weiterer Probebohrungen dürfen nicht Teil eines Welterbe-Gebiets sein.

2010 Das Bergamt verlängert die Konzession um 30 Jahre.

2015 RWE verkauft Dea an die von dem russischen Oligarchen Michail Fridman kontrollierte LetterOne-Gruppe. Michail Fridman wird vorgeworfen, mitverantwortlich an der Umweltkatastrophe durch den Öltanker „Prestige“ vor Spanien im November 2002 zu sein. Obwohl mehrfach schwere technische Mängel festgestellt worden waren, ließ Fridman, dem der Tanker indirekt gehörte, diesen weiter fahren.

2017 Ein Teilerfolg: Dea scheitert mit seinen Plänen, die Ölförderung noch auszuweiten. Das schleswig-holsteinische Umweltministerium stoppt die geplanten Explorationsbohrungen als unvereinbar mit dem Nationalparkgesetz. Seit 2007 haben RWE Dea bzw. ihre Nachfolger Pläne für „Probebohrungen“ an zunächst sechs Stellen der Nationalparks in Schleswig-Holstein und Niedersachsen vorangetrieben.

2024 Das Land Schleswig-Holstein und der derzeitige Eigner Wintershall Dea Deutschland GmbH geben bekannt, die Ölförderung noch bis 2041 fortzuführen.

2026 Das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht beschließt am 26.2. nach Klage der Deutschen Umwelthilfe den sofortigen Stopp der Ölförderung, da keine hierfür zwingend notwendige FFH-Verträglichkeitsprüfung vorliegt. Eine Wiederaufnahme des Betriebs ist erst zulässig, wenn nachgewiesen ist, dass keine erheblichen Beeinträchtigungen für das Wattenmeer zu erwarten sind.


Insgesamt führte der Betrieb der Bohrinsel immer wieder zu umfangreichen Bau- und Sicherungsmaßnahmen, die ihrerseits den Nationalpark beeinträchtigten.

Die Schutzstation Wattenmeer hat mit öffentlichen Aktionen, umfangreicher Gremienarbeit und dem Klageverfahren vor knapp 20 Jahren immer wieder auf die Unvereinbarkeit der Ölgewinnung mit den Anforderungen eines Nationalparks und Weltnaturerbegebiets hingewiesen. Wir werden uns auch weiterhin für ein möglichst zeitnahes Ende der kompletten Ölförderung einsetzen.